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Sechs Wochen. noch ein Pamphlet.

December 9, 2009 · Posted in think-strange.de, welt-sicht.de by aSak  

Es waren sechs lange Wochen und obwohl es sicher falsch ist, die meisten Dinge des letzten Pamphlets noch einmal aufzugreifen, werden sich zumindest jene Nachrichten, welche noch immer aktuell sind, auch in dieser Schrift wiederfinden müssen. Dabei ist noch so viel Neues passiert: So dominiert die Klimakonferenz in Kopenhagen aktuell die Nachrichten auf fast allen Sendern und grade eben hörte man einen Fortschritt in der Bildung, wenn ich Frau Schavan im Augenwinkel richtig verstanden habe. Wo anfangen? Vielleicht bei einer kleinen Randnotiz.

IT: Die Lösung aller Probleme
Gestern war doch dieser IT-Gipfel in Stuttgart. Frau Merkel muss dazu einige Worte verloren haben. Zum Beispiel, dass Breitbandinternetanbindungen ganz unglaublich wichtig sind und die IT doch die Lösungen für alle aktuellen Probleme bereitstellen könnte. Ich selbst profitiere davon bestimmt, denn ich trödel mit 3 Mbit durch’s Netz. Leider schien die Rede nicht sehr souverän, glaubwürdig oder interessiert; Frau Merkel wirkte — so sagt man — unsicher und nervös. Nun hätte ich dies recherchieren können, wenn nicht schon vor einigen Minuten über Twitter jene Meldung auf dem Bildschirm erschien:

@netzpolitik:
Ähm… Die Merkel-Rede vom IT-Gipfel gibt es nur im Info-System für Journalisten mit Anmeldung? http://tinyurl.com/yzetc7h

Tarnen und täuschen, vertuschen und behindern. Je mehr ich über die Methoden der Politik nachdenke, umso größer werden alle Zweifel. Es handelt sich jedoch bestimmt wieder nur um ein Missverständnis, da bin ich sicher. Das Ministerium für Wahrheit braucht schließlich einige Stunden für die PR. Spekulationen bleiben allerdings nur eine Randnotiz.

Bildungsstreik 2009 hält sich hartnäckig.
Frankfurt wurde geräumt, ob das rechtens war oder nicht und wie das genau ablief, lasse ich offen. In München gibt’s, soweit ich weiß, ein Ultimatum zur Räumung. Irgendwie bemerkenswert, dass insbesondere Universitäten in, nennen wir’s salopp, reichen Städten betroffen sind. Revolte in Bankfurt, Studenten gegen Schickeria — passt doch nun wirklich nicht ins Stadtbild. Sei’s drum, die morgige Kultusministerkonferenz in Bonn wird sich massiven Protesten stellen müssen, das Saarland nimmt daran teil. Brisante Zeiten, würde man aus historischer Sicht einmal sagen.

Wenn mir das bewusst ist, dann sollte es unseren aktuellen Ministern auch bewusst sein und Frau Schavan scheint tatsächlich gewillt, diese Proteste abmildern zu wollen. Grade eben hieß es im ARD mittagsmagazin, dass auf Initiative unserer Bildungsministerin kurzfristig eine gesetzliche Regelung getroffen worden wäre, die es erlaube, ausländische Studienleistungen und -abschlüsse in Deutschland einfacher anzuerkennen. Wenn dies so stimmt, dann wäre das in der Tat ein Schritt in die richtige Richtung, aber nur ein kleiner. Ich bin mir sicher, dass die Studenten ihre Anliegen am morgigen Donnerstag in angemessener Weise zum Ausdruck bringen werden. Schade, dass ich nicht dabei bin.

Klimakonferenz in Kopenhagen 2009
Der großartige Erfolg des Kyoto-Protokolls forderte natürlich in Hollywood-Manier einen Nachfolger — Kopenhagen. Was darf ich dazu schon sagen, außer meine Meinung: Wir gehen’s falsch an. Ich glaube, ich muss dazu ein wenig weiter ausholen.

Jetzt! Genau jetzt ist der richtige Moment für einen grandiosen Cliffhanger, den ihr nur durch das Weiterlesen auflösen könnt! Seid ihr gespannt, ja?


Nun, die Erde existiert höchstwahrscheinlich seit 6 Milliarden Jahren, wir Menschen sind… noch nicht so lange hier. Noch weniger lang haben wir die Population noch die technischen Möglichkeiten, das Klima der Erde zu verändern und zu analysieren. Wir tendieren in den aktuellen Modellen dazu, unser jetziges Klima “as it is” als für uns ideal anzusehen. Nicht nur das Klima, der Ist-Zustand des Planeten ist das, was man zu erhalten versuchen sollte — da sind eigentlich alle einig. Ich behaupte einfach, dass dieser Ansatz eventuell falsch sein könnte.

Die Erde hat alles überlebt, von den Dinosauriern, mit deren Überresten wir heute unsere Häuser beleuchten, bis zu… ihr wisst schon, was ich meine. Das Klima befand sich dabei wie alle Populationen, wie alle Arten im ständigen Wandel; man war gezwungen, sich anzupassen. Es wäre sicher sehr kühn zu behaupten, dass sich alle anderen Tiere dem Menschen anpassen sollten, nein, das ist sicher grundfalsch. Es ist nobel und wichtig, den Planeten schützen und erhalten zu wollen, ein tiefsitzendes Bewusstsein für die Umwelt zu entwickeln. Doch unser Ziel sollte es eben nicht sein, den Ist-Zustand zu erhalten, sondern in den natürlichen Kreislauf wenig einzugreifen.

Jetzt kommt die schlechte Nachricht: Es ist dafür, so schätze ich, zu spät. Kopenhagen wird vermutlich kein sehr großer Erfolg werden, es sei denn, der Herr Obama zeigt einmal in seinem Leben seine Hoden und gibt starke Ziele für die gesamte Welt vor. Wird er nicht. Das kann man von Menschen, die Landminen tufte finden, auch nicht erwarten. Oder, Herr Präsident? Wie dem auch sei: Es ist zu spät. Wir werden nicht den Planeten zu Grunde richten, sondern nur uns selbst. Wir sind Dinosaurier, in ein paar Millionen Jahren.

Jetzt die gute Nachricht: Wir können etwas dagegen tun, jedoch nicht nur unseren Einfluss auf die Umwelt minimieren, sondern Staudämme bauen, Evakuierungspläne entwerfen für manche Inseln, welche im Laufe der Zeit sicherlich ohnehin versänken. Prominentestes Beispiel: Atlantis. Kennen wir alle. Einfach weg. So kanns gehen. Warum? Weil sie’s nicht geschafft haben, gesellschaftliche Vorkehrungen zu treffen, um die direkten Auswirkungen des akuten Klimawandels abzuwehren. Verdammt, wir sind angeblich zum Mond geflogen! Es wird uns doch möglich sein, unsere Städte umzubauen, arme Regionen der Welt zu modernisieren, mit Wasser zu versorgen, mit umweltfreundlichem Strom zu versorgen und einfach die Welt mal in ein kleines Paradies umzukrempeln. So schwer kann das doch gar nicht sein!

Jeder redet von Zukunftstechnologien — da sind welche. Der kommerzielle Flug ins Weltall ist zur Zeit auch in Mode, Terraforming kann doch nicht so unerreichbar sein. Ja, boh, da fällt mir auch was dazu ein: Wir fliegen ins Weltall und können die Sahara mit einem Solarkraftwerk zupflastern, aber es ist uns nicht möglich, Trüffel zu züchten! Unfasslich! Wir Menschen haben doch Potenzial uns weiterzuentwickeln, uns auch auf makro-genetischer Ebene der Umwelt anzupassen. Wir sind überlegen. Die Chinesen können sogar machen, dass es Schneit! Ich sage sogar…

Wenn wir uns selbst im Wege stehen
Nein, Schluss. Omnipotenz ist nur ein Wunschtraum. Das, was ich in Trance gerade schrieb, sind nur Visionen. In der hiesigen Realität schmettert ein durchschnittlicher CDUler einem auf die Frage “Solarkraftwerk in der Sahara voll cool?” ein “Pah, Abhängigkeit!” ins Gesicht. Mh. Weltweite Kooperation scheint ein unüberwindliches Hindernis zu sein, ich verfluche den biblischen Gott und sein Babylon! Es ist eine so utopisch-dämliche Frage, aber warum kann sich nicht einfach jeder lieb haben. Nein, stattdessen haben wir eine Mauer am Gazastreifen, an der Menschen wie einst in Deutschland erschossen werden. Wir haben Kriege wohin man schaut, Piraten vor Somalia und eine westliche, vom Markt diktierte Welt.

Nüchtern betrachtet: Krass. Und dann gibt’s ne Klimakonferenz. Der Versuch einer Annäherung und niemand steckt Erwartungen hinein. Klimaschutz, warum sollten wir das schon tun. Und wenn wir’s nicht tun, dann tun’s die andern auch nicht. Diese Spirale kenn ich noch von verschiedenen Events, inszeniert in einem fiktiven Zweizeiler:

Ich: Hey, kommste mit am Freiag?
Er: Wer kommt denn noch?

Witzlose Rekursion. Ich warte aber, bevor ich weiter an der Kopenhagener Konferenz rumnörgele, wie sie sich denn entwickeln wird. Vielleicht geht’s auch einen Schritt in die Zukunft. Wahrscheinlich eher nicht.

Und sonst so?
Es geschehen so viele Dinge und wir bewegen uns so unendlich langsam vorwärts. Die Zahl der Insolvenzen steigt und steigt, die Wirtschaft läuft nicht so sehr an, wie man es sich wünschte. Nur die Arbeitslosenzahl wird wie üblich schöngeschminkt. Vertuschen, was man vertuschen kann, denn das Land geht langsam aber sicher den Bach hinunter. Ja, natürlich übertreibe ich; es geht immer irgendwie weiter. Doch schon nach 6 Wochen hat Schwarz-Gelb in Deutschland keine Mehrheit mehr, Sonntagsfrage hurrah. Ändern tut’s nichts, auch wenn wir unser Schicksal nicht so weise wählten.

Warten wir weitere Wochen ab. Irgendwann wird etwas geschehen, auf die eine oder andere Weise. Oh, ja, und bevor ich’s vergesse, zum Abschluss ein brilliantes Stück Alternativgeschichte, denn in Wahrheit ist nicht der Kapitalismus, sondern dir DDR Schuld am Zerfall des Systems. Wenn man Herrn Doyé und Herrn Wiemers glauben darf. 30 Minuten hervorragende Filmkunst: Klick mich, ich bin ein Link in die ZDFmediathek.

Comments

5 Responses to “Sechs Wochen. noch ein Pamphlet.”

  1. Natok on December 9th, 2009 18:33

    zur Rede Merkel:
    vllt. haette man auch erwaehnen koennen, dass man sich auf der seite auch registrieren kann, um zugang zu den dortigen inhalten zu erhalten, im zweifelsfall wuerde ich einfach mal anfragen :)
    momentan wird der eindruck vermittelt, dass es nur einem ausgesuchten kreis moeglich ist die rede einzusehn, aber mit 2 minuten google hat man eh die thematischen inhalt und stellt fest, dass sie die keynote gehalten hat und somit die hauptthemen des gipfels erlaeutert wurden.

    breitbandausbau.. nunja, die gesetzlich garantierten 1mbit hast du ja deutlich ueberschritten :)
    das man auch nur garantieren kann, was auch im letzten winkel von deutschland technisch moeglich ist, sollte eigentlich klar sein, ansonsten -> provider anhauen :)

    räumung der uni.. nunja, dazu geht mir einiges durch den kopf aber zu dem thema werf ich einfach nur mal das stichwort hausrecht in den raum.

    klima… ach ne, davon haben wir doch schon genug gehoert von weltuntergang bis klimaschwindel usw.
    aber der wesentliche knackpunkt bzgl. obama und klima ist doch, dass der mann sehr viel versprechen kann, und spaeter sich dann doch erinnert, dass er die zustimmung vom kongress braucht.. aber immerhin kann er spaeter sagen “ich war dafuer” .. konnte er ueberhaupt schon was von seinen heilsversprechungen erfuellen? hab bisher nur gelesen was alles doch nicht geht..

    bzgl solar .. tja, da hat der CDU’ler aber recht. wir stehen ja schon in abhaengigkeit zu russland mit gaslieferung dank spd superheld schroeder, und oel zu den vereinten arabischen emiraten..
    also wenn ich mir die politische stabilitaet anschaue in afrika und irgendein diktator ueber die energie entscheiden darf… mmmm… neeee, muss nicht sein.

    und abschließend, die ddr ist zwar nicht schuld, aber die wurden mit genug milliarden gefuettert, das geld haette man besser investieren koennen. und nach aktuellen umfragen wollen die ossis ja eh die mauer wieder… also meinen segen haben se ;-)

    puh, das wars *g*

  2. viego on December 9th, 2009 19:52

    Die Rede von Frau Merkel gibt es auf ihrer Webseite zum freien Download.

    http://www.bundeskanzlerin.de/nn_683608/Content/DE/Rede/2009/12/2009-12-08-rede-merkel-it-gipfel.html

    Glaub nicht alles, was dir ein Vögelchen zwitschert.

    Grüße

  3. aSak on December 9th, 2009 20:07

    Es geht weniger um den Text der Rede an sich, als um die Art der Präsentation. “Würd’s dir ja gerne zeigen.”

  4. [...] Pamphlete sind schon geschrieben und es scheint, als gäbe es auch in den nächsten Wochen noch genug an der [...]

  5. iPhone4Spiel on July 10th, 2010 00:00

    iPhone4Spiel…

    Hi, ich versuche mit diesem Comment nur mehr Links zu generieren…

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