Alles verbieten! – Folge 6 bis 16: “Gewaltverherrlichendes”
Ich weiß es nicht, soll ich lachen oder weinen. Gerade schaue ich die Nachrichten, da wirft man mir entgegen, die Regierung überlege, Paintball (das RL-Spiel, jep) zu verbieten und das Waffengesetz noch ein bisschen weiter zu verschärfen. In einem Land, das mitunter schon die schärfsten vorstellbaren Waffengesetze hat. Werfen wir doch einen Blick darauf, was die Bundesregierung wieder ausheckt:
Die große Koalition hat sich Zeitungsberichten zufolge auf eine Verschärfung des Waffenrechts verständigt. Die Innenexperten von Union und SPD hätten sich mit Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf einen Katalog von Änderungen geeinigt (…).
Demnach sollen Jagdspiele wie Paintball und Laserdom verboten, Verstöße dagegen mit einer Geldbuße bis zu 5000 Euro belegt werden. Bei Paintball, auch Gotcha genannt, machen die Spieler mit Farbkügelchen, bei Laserdom mit Laserpistolen Jagd aufeinander. „Dabei wird das Töten simuliert“, begründete der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) das geplante Verbot in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. (Quelle))
Mh, ne? Der gesamte “Katalog” umfasst weiterhin diese Änderungen des Waffengesetzes (und dazu noch einige weitere Kleinigkeiten, die wir außer Acht lassen mögen):
- Strengere Kontrollen von Waffenbesitzern; wer eine Kontrolle verweigert verliert seine Erlaubnis, eine Waffe zu besitzen. Waffen sollen zudem nicht mehr funktionsfähig zu Hause aufbewahrt werden dürfen (durch Entfernen von Bolzen, keine Munition o.Ä.).
- Einführung eines zentralen Waffenregisters
- Straffreiheit für diejenigen, die ihre illegalen Waffen freiwillig abgeben. lmao!
Nun, eigentlich finde ich es ja nicht schlecht, dass man Waffenbesitzern das Leben schwer macht, lediglich die Gründe dafür sind wie so häufig sehr hanebüchen. Um es mit den (sinngemäßen) Worten eines Politikers zu sagen: “Wir wissen, dass man damit Amokläufe wie in Winnenden nicht verhindern kann, aber man kann es den Tätern erschweren.” Lasst es mich so formulieren:
“Nein, kann man nicht.” -- darum geht’s ja nichtmal!
Pointiert, satirisch und geistreich. Lesen ihr müsst, Yoda sagt. Das Thema ein ganz anderes ist, eine Top 10. Ziemlich Text undso.
Nein, es gibt kein “aber”, kein “vielleicht” und auch kein “möglicherweise”. Ich weiß nicht, wer auf diese grandiose Idee gekommen ist, dass sich potentielle Amokläufer von ihrer Tat abhalten lassen würden. Ich meine, wir sprechen hier von Menschen, die mit ihrem Leben abgeschlossen haben. Jene finden ein geeignetes Werkzeug; wenn sie keine Schusswaffe haben, nehmen sie sich eben ein Repertoire an immerscharfen, übergroßen Keramikmessern in ihrer Jacke mit. Oder bauen sich ihre Bomben selbst. Oder kratzen ihren Opfern mit Eislöffeln die Augen aus. Ich drifte ab…
Paintball soll also verboten werden, weil es das Töten simuliert. Ich selbst war zwar nie aktiver Sportspieler, habe mir aber Erfahrung mit Paintball angeeignet. Das Erste, was mir dazu einfällt ist: “Macht Spaß, wie Sau!”. Es ist nicht ganz ungefährlich und man behält auch den einen oder anderen blauen Fleck, aber in seiner Gesamtheit betrachtet macht der Mannschaftssport einfach Laune. Dabei würde ich mich wahrlich nicht als Kriegstreiber oder Waffennarr bezeichnen (auch wenn ich von dieser Sorte sicherlich Leute kenne, die meisten bei der Bundeswehr (!)).
Nun, ich nörgle immer nur, ich glaube es ist an der Zeit, einmal konstruktiv zu sein. Ja, ich möchte der Bundesregierung helfen, mögliche Gefahren aus der Gesellschaft ein für alle Mal zu verbannen. Aus diesem Grund gibt’s hier die Top 10 der Dinge, die man bitte als nächstes verbieten sollte; ich fühle mich durch sie bedroht. Tagtäglich, jede Minute, immerzu.
- Platz 10, von welt.de gediebstahlt, wird belegt durch Wasserpistolen. Schon in frühester Kindheit werden mit diesen
SpielzeugenMordinstrumenten positive Assoziationen zu Waffen hergestellt, besonders wenn an heißen Tagen Kinder auf andere unschuldige Kinder schießen. Nicht zu unterschätzen ist außerdem die Gefahr, dass sich in den Spritzpistolen nicht nur Wasser befindet: Während Erdbeersaft nur lästige Flecken verursacht, könnten Terroristen die frei erwerblichen Schusswaffenimitate mit Säure oder Giftgas füllen! Gott hilf uns allen. - Auf Platz 9 befinden sich die aktuell bestreikten Kindergärten und Kindertagesstätten. Ich selbst erinnere mich daran, als sei es gestern gewesen, wie ich mit meinen Freunden im Kindergarten die wildesten Verschwörungen erfand, wir unsere “Banden” gründeten. In diesem Licht erscheinen die vormals begehrten Orte eher wie Terrorcamps, was selbst so mancher Erzieher bestimmt bestätigt. Weg damit, damit auch unsere kleinsten Amokläufer und Konspiranten keinen Nährboden finden.
- Der achte Platz wird von einem anderen Spiel belegt: Räuber und Gendarme. Obgleich viele Kinder und Heranwachsende nicht mehr in der analogen Welt spielen, erfreut sich jene Freizeitbeschäftigung noch immer großer Beliebtheit. Die Rollen sind dabei klar verteilt, es gibt die “Guten” und die “Bösen”. Letztere würde ich zumindest unter Generalverdacht stellen, denn wer freiwillig eine solche Rolle einnimmt, besitzt zumindest ein hohes kriminelles Potential.
- Platz 7 besteht aus kleinen Bausteinen: Lego. An sich harmlos kann dieses Werkzeug in den falschen Händen zur Simulation von Belagerungen (“Lego Burgen”) oder gar noch viel Schlimmerem benutzt werden. Außerdem können Kleinteile verschluckt werden -- die Dunkelziffer der Legototen jährlich ist nicht zu schätzen!
- Platz 6 und dabei ausnahmsweise total ernst gemeint: Schützenvereine. “Was zum Töten animiert, gehört verboten“, so hat’s der Stoiber gesagt. Hach, wie ich mich nach dem Edmund sehne.
- Neben Paintball gäbe es noch weitere Sportarten, die zu illegalen Aktivitäten anregen. Den fünften Platz teilen sich einige davon: Boxen als Trigger zur schweren Körperverletzung, Wrestling als gewaltverherrlichender Schaukampf, Bogenschießen als archaisch-martialische Gewaltdarstellung und nicht zuletzt Biathlon, das versportlichte Gebirgsjäger-Training mit Schusswaffe. Tut mir Leid, Frau Neuner, aber es geht um unser aller Sicherheit.
- Die Schlappe für alle Heimwerker: Hämmer mit einem Gesamtgewicht von über 2kg auf Platz 4. Ehrliche Bürger, die keine Sachbeschädigung planen, benötigen keine solch großen Werkzeuge, da tut’s auch ein kleiner Zimmermannshammer. Den Generalverdacht würde ich erweitern auf alle Mitbürger mit einer Werkbank im Keller, ist doch schließlich erwiesen, dass an diesen auch Bomben gebaut werden können; ordentliche Mitbürger benötigen auch keine Werkbänke.
- Platz 3: Überfüllte Fahrstühle. Jeder kennt das Problem und jeder Bürger regt sich darüber auf. Aufregung ist aber der erste Schritt zu ausführlichen Mordgelüsten. Um diese bereits im Keim zu ersticken, sollten Fahrstühle ab sofort eine Mindestfläche von 2 m² pro Person aufweisen müssen. Nur entspannte Bürger sind gute Bürger.
- Verherrlichende Musik auf Platz 2: Jeder weiß, dass es böse Musik gibt, die von Mord und Verderben handelt, aus den verschiedensten Genres von Black Metal bis Hiphop. Dass dieses Feld viel weiter gefasst werden sollte, wissen nicht mehr viele. Beispiele: Heino mit “Bier” (Aufruf zum Vollrausch und Vergehen an Minderjährigen), Faithless mit “Mass Destruction” (Subversivität), The Charlie Daniels Band -- “The Devil went down to Georgia” (Satanismus, Musik als Heilsbringer) und Marius Müller-Westernhagen mit “Freiheit” (öffentliche Darlegung von Missständen, was zu Tumulten führt). Und überhaupt!
- Der famose erste Platz geht an das historisch gesehen brutalste und gefährlichste Spiel der Welt: Schach. Das Spiel zeichnet sich durch äußerste Brutalität aus, da besiegte Figuren nicht nur inaktiv, sondern aus dem Spiel entfernt werden, was in mir sofort Assoziationen zu Verschleppung und Folter hervorbringt. Es wird gar noch schlimmer: Die Seiten sind nur “schwarz” und “weiß”, es ist nicht klar, welche Seite zu den “Guten” gehört. Daraus folgert haarscharf, dass beide Seiten “böse” sein müssen. Beritten, mit Türmen und
SchläfernSpringern entsteht eine epische Schlacht und schlechte Verlierer haben daraufhin auch schon ganz real Ländereien in Brand gesteckt. Als “Spiel für Intellektuelle” gilt die Kriegssimulation, was doch nur bedeuten kann, dass sich dahinter die Bildungselite unseres Landes schon auf den Umsturz vorbereitet. Diese Gefahr muss dringend gebannt werden!
Ich erwarte, dass diese Vorschläge von unserer Regierung zügig umgesetzt werden. Wenn es nach mir ginge, würde ich ja noch viel elementarere Dinge verbieten, wie zum Beispiel Briefe. Papier in seiner reinen Form ist nicht schädlich, aber gefüllt mit Propaganda kann es zu einer tödlichen Waffe werden (von der Schneidgefahr einmal abgesehen). Nicht umsonst sagt man, die Feder sei mächtiger als das Schwert -- also am Besten diese auch verbieten, denn wer keine Briefe schreiben möchte, braucht auch keine Stifte. A propos:
“Nur mit Stift und Zettel möcht’ ich anstiften was anzuzetteln und statt Whack-MCs die Regierung wegzubattlen. ‘Was nutzt der Aufstand der Anständigen’, stand auf einer Hauswand, ‘was wir hier brauchen ist ein anständiger Aufstand.”
In diesem Sinne.
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5 Responses to “Alles verbieten! – Folge 6 bis 16: “Gewaltverherrlichendes””
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# Straffreiheit für diejenigen, die ihre illegalen Waffen freiwillig abgeben.[/quote]
ob das immer noch gilt, wenn ich einen anhänger mit meiner privaten sammlung abgebe? die wollen bestimmt wissen woher ich die steyr hs .50 hab.. *hust*
achja: märchen sind größtenteils auch sehr gewaltverherrlichend… oder auch äußerst pervers, wenn ich an die sieben geißlein denke (bauch aufschlitzen, wackersteine reinlegen. so gestört muss man erstmal drauf sein
)
verbietet sie!
cheerio
Nun ist dieses lachhafte Vorhaben bestens geeignet um Eingang in die Politikbücher einer noch fernen aufgeklärten Gesellschaft zu finden. Alles drin – Unsinn, erfolgreiche Lobbyarbeit, Bauernopfer, und Dummheit.
Das Verbot von Paintball und Laserdome-Events ist unsinnig, da es keinen auch nur im Ansatz vorhandenen ojektiv erkennbaren Zusammenhang zwischen Amokläufern und diesen Tätigkeiten gibt.
So wenig dieser Zusammenhang auch für 3D-Shooter nachgewiesen wurde, hat es die Spieleindustrie jedenfalls durch erfolgreiche Lobbyarbeit geschafft, sich aus der “Schusslinie” (ha, sic!) der politischen Amokhennen zu bringen.
Damit es dennoch so aussieht, als habe man etwas getan, müssen halt die bisher ein Nischendasein fristenden Paintballspieler dran glauben.
Und dumm ist das Ganze, weil man Leute, die Ihre sieben Sinne halbwegs beieinander haben, mit diesem Quatsch auch noch verarschen will.
Wie gesagt, ein Lehrstück deutscher Politik und daher (allein) von großem historischen Wert.
Das tragische daran ist, dass Politik heute nur noch so funktioniert.
Verbietet auch das Spiel “Räuber und Gendarm” oder “Cowboy und Indianer” das schürt nur Gewalt und ist nicht gut für unsere Kinder. Ach ja, nehmt den kleinen Jungs (Cowboys) beim Karneval die Spielzeugpistolen ab, nicht das da noch jemand Mordgelüste entwickelt.
Ich bin eh dafür, dass Nachrichtensendungen eine Altersfreigabe ab 18 Jahren erhalten. So viel Gewalt und Tote die da täglich gezeigt werden…geht gar nicht!
Nimbert
P.S.: Wer Ironie findet darf sie behalten
voelkerball!! der geht ja garnicht! das brutalste uberhaupt! kinder werden zusammengetrieben und werden gezwungen ihre freunde mit simulierten handgranaten zu bewerfen und zu toeten! brutale gladiatorkaempfe!! freunde muessen sich gegenseitig abschlachten!
..nur um die liste zu vervollstaendigen..
gruss und kuss
Nermy
Schöner Bericht.
Stimme dem zu. Ist ein unding was uns alles verboten werden soll. Vorallem das Argument Paintball “sinnlos” vor zu bringen. Was ist nicht sinnlos? Unter genauer Betrachtung hat nichts einen Sinn. Arbeiten? Warum? 30% seines Lebens verbringt man mit arbeiten. Wäre es nicht besser für die Familie da zu sein? 50% des Lebens verschläft jeder. Was soll ein Mensch in den restlichen 20% anfangen? 17% sind für Familie und Freunde verplant. 2% “rum gammeln” und entspannen. Das letzt 1% meines Tages nehme ich für “sinnloses” Zeit. Wie man sieht, hat ein Normalo keine Zeit, sich mit anderem zu beschäftigen. Ausnahmen gibt es immer.
Es ist genau das gleich wenn ein Politiker korrupt ist. Kein andere Politiker will in den gleichen Sack gestopft werden.
Nur leider wollen die alten Politiker nicht über den Tellerrand hinaus schauen. Die sind in ihrer kleinen Welt so festgefahren und weltfremd, dass sie leider nie über diese Seite stolpern werden.