Weiterführende Gedanken anlässlich des Amoklaufes in Winnenden
Böser Zynismus, tut mir Leid…
Tusch. Es war nur eine Frage der Zeit, bis wiedereinmal jemand durchdreht und Amok läuft. Aktuell -13:20 Uhr- weiß man vom Täter noch nicht viel, außer, dass er auch sich selbst erschossen hat. Es werden Bilder eines massiven Polizeieinsatzes gezeigt, über die Zahl der Opfer wird weiterhin spekuliert. Tragisch, keine Frage, aber nicht nur die eigentliche Tat, sondern auch über die allgemeine Berichterstattung darüber.
Es wird von “Warnsignalen” gefaselt, gar gefragt, “woran man denn Amokläufer erkennt”. Gibt es denn den typischen “Amokläufer”? Sie erzählen, dass diese Leute meistens keine Freunde haben, dass sie dadurch berühmt werden wollen oder Aufmerksamkeit erhaschen. Man sagt, es gäbe auch Trittbrettfahrer, Mörder, die solche Bluttaten nur vollbrächten, weil sie sich an anderen Idioten ein Beispiel genommen hätte. Und dann gibt’s da auch noch die “Killerspiele”, auch wenn die bisher deutlich besser als erwartet davon zu kommen scheinen.
Ich glaube, ich muss kotzen. Nein, es gibt keine typischen Amokläufer. Sie tun das auch nicht, weil sie sich davor Filme angesehen oder Spiele gespielt haben. Und überhaupt! Ich glaube, man versucht durch solche Fragen und Phrasen nur zu verdecken, dass man es nicht versteht, dass es Dinge gibt, die wir einfach nicht begreifen können. Wir wissen nicht, warum Menschen zu Mördern werden. Natürlich gibt es “Risikofaktoren”, aber jene sind doch so individuell, dass man sie nicht pauschalisieren kann. Wir können immer nur spekulieren. “School shootings! Sie hat tatsächlich ’school shootings’ gesagt!”
Weiter, mehr Nachrichten! Mehr Informationen! *lechz*
Meine Theorie ist jene, dass auch die Medien daran Schuld sind und ich selbst bin Mittäter. Die weltweite Vernetzung hat es möglich gemacht, dass sich jede noch so kleine Minderheit im Internet “konzentriert” finden kann. Der Mensch ist, egal wie er ist, sozial, wenn auch nur zu seines Gleichen. Das Internet hat als Medium so sehr an Bedeutung gewonnen, dass jedes verdrehte Gehirn andere verdrehte Gehirne finden kann. Das fängt harmlos bei Trekkies, Gamern, Nerds und Geeks und Linuxfetischisten an, geht dann langsam über sehr morbiden Humor weiter, irgendwann folgt jede verdammte auch-nur annähernd vorstellbare sexuelle Spielart. Und eben leider auch Kannibalen (“Hallo, Armin.“), Pädophilen und Mördern, dem Bodensatz der Gesellschaft.
Dagegen kann man -glaube ich- nicht viel tun. Das Medium existiert und es gibt dort, wenn wir uns das Internet als ‘virtuelle Erde’ vorstellen, Ecken, die sich jeglicher Kontrolle entziehen. Diese Erkenntnis ist ohne Zweifel beunruhigend, aber Schuld daran ist ja nicht das Internet, sondern eben die Menschen dahinter. Und damit sind wir wieder am Anfang. Der Mensch ist nur ein Tier, aber selbst unter Tieren gibt es Bestien und wir verstehen nicht, warum diese tun, was sie tun.
Es stimmt mich traurig, dass es keine Lösung für dieses Problem gibt, denn alle Lösungsansätze sind doch -sind wir ehrlich- von vorneherein Blödsinn. Kinder darüber ‘aufklären’, dass sie nicht böse sein dürfen? Das Medium einschränken und verbieten, ein unwirksames wie unmögliches Unterfangen? Ächtung in der Mitte der Gesellschaft wie im Mittelalter? Die Todesstrafe als Abschreckungsmethode? Das Einzige, was man vielleicht noch als halbwegs sinnvoll durchbringen könnte, wären härtere Waffengesetze. Aber hey, wir leben in Deutschland, einem der größten Waffenhersteller der Welt – da wird nix draus. Außerdem sind unsere Gesetze eigentlich ausreichend. Habe ich irgendetwas vergessen?
Hm. Ich habe mich eben als Mittäter bezeichnet, doch ich glaube, ich gehöre noch zur harmlosen Sorte. Ich beobachte und ermahne, vielleicht manchmal etwas zynisch, aber ich bin nicht so kreativ, wie andere Mittäter. Da werden in den Beiträgen noch einmal alle Amokläufe der letzten Jahre durchgekaut, Littleton, Emsdetten, zum tausendsten Mal. Die Mörder bekommen doch genau die Aufmerksamkeit, die von den Medien so oft kritisiert wird! Es werden mit Google Maps Karten mit den Wegen der Amokläufer erstellt – zum Nachspielen für die kommenden Generationen! Es werden neue Worte und Ausdrücke für unerklärliche Taten geprägt.
Ich bin nicht für Zensur, aber man sollte doch einmal über den Mehrwert mancher Nachrichten nachdenken, ihren Nutzen dem Negativen gegenüberstellen. Es muss nicht publik werden, welche Waffe der Täter wie oft in welchem Raum abgefeuert hat, dadurch wird die Tat weder erklärbarer noch bedauernswerter. Ein Toter ist ein Toter und in den meisten Fällen reicht das, um dramatisch zu sein. Sechzehn Tote sind sechzehn Tote. Kein Grund für Ruhm oder Anerkennung. Kein Grund ihn in 5 Jahren zu erwähnen, in 10 Jahren, ihn in detaillierten Schilderungen festzuhalten. Vielleicht ist es nur Misanthropie, aber der Mensch ist eben doch des Menschen Wolf.
Es fehlen noch einige Hyperlinks und hier folgt später noch viel mehr Text, vermutlich, aber ich muss leider los. Heute Abend gibt’s -denke ich- mehr. Oder morgen, wenn sich die BILD drauf gestürzt hat.
Nachtrag: Es ist gut zu wissen, dass ich nicht so alleine mit meiner Meinung bin. Gleich schlage ich die BILD auf und dann geht’s munter weiter…
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3 Responses to “Weiterführende Gedanken anlässlich des Amoklaufes in Winnenden”
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Ich habe gestern abend bei Arte einen interessanten Bericht gesehen. Hier wurden div. Pschologen, Kriminologen etc befragt zum Thema Amoklauf. Das war also eine Reportage. Spannend fand ich eben – wie du auch – den Begriff School Shootings. Und das schöne an einem Artebericht, da wird das auch erklärt. Die Aussage war in etwa die, dass ein Amoklauf ungeplant stattfindet. Die Täter bei School Shootings ihre Tat aber vorbereiten. Der aus Emstetten hat wohl 13 Monate vorher bereits begonnen sich Waffen zu organisieren und zu bauen. Auch spannend, dass er solche historischen Waffen genutzt hat, für die er zum Teil die Kugeln selber gegossen hat.
Weiter wurde auch gesagt, dass die Täter die Schule auswählen, weil sie ein zentraler Punkt des öffentlichen Lebens und der Gemeinschaft ist. Und hier wurde darauf hingewiesen, dass der School Shooter (heißt das jetzt so?) kein Einzelgänger ist, sondern genau das Gegenteil. Nur die Gemeinschaft lässt ihn nicht teilhaben. Und die tägliche Zurückweisung würde eben eine solche Reaktion bei manchen Menschen hervorrufen.
Wie auch immer, in den Nachrichten kam natürlich der langersehnte Satz von einem “Bekannten” von dem Winnenden Täter: “Ich glaube der hat immer Counterstrike gespielt” – Yes, was auch sonst…
so long
[...] Think Strange: Weiterführende Gedanken anlässlich des Amoklaufes in Winnenden [...]
Wenn die Hinduisten und Buddhisten mit ihrer Reinkarnation recht haben, dann sollten wir Mörder möglichst lange in Gefängnissen am Leben erhalten (und ja nicht hinrichten), denn:
gemäss dieser Religionen werden die hingerichteten Mörder wieder auf die Welt kommen – und dann als noch schlimmere Mörder.
Also: wird ein 20jähriger vierfacher Massenmörder hingerichtet, so wird er als achtfacher Massenmörder zurückkommen. Wird nun dieser hingerichtet, dann wird er als 16-facher Massenmörder zurückkommen. Und so weiter!
Leider wurde die Todesstrafe erst 1945 abgeschafft… Was nun automatisch auch millionenfache Massenmörder wie Hitler erklärt… (Denkt mal nach, ihr Volltrot….!)