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U S A! U S A!

January 29, 2009 · Posted in welt-sicht.de by aSak  

Boh! Wie mich die Welt annervt, das glaubt ihr nicht. Also, nicht mal die Welt, Amerika ist ja zur Zeit wieder trendy. Wer vor 2 Monaten noch pro-amerikanisch war, der wurde als Idiot, bezeichnet; wer heute gegen die USA wettert, ist ein rassistischer Idiot. Geschichte wird ganz schön schnell geschrieben, wenn man das so sieht. Und ich bin live dabei!

Das Thema “Obama” ist ja eigentlich ziemlich durch, aber trotzdem bleibt der Mann mehr als interessant. Immerhin ist er aktiv, und wie Greg House schon sagt: “Ich mag produktiv sein.” Das alles ist auf jeden Fall mehr als löblich, aber irgendwie bin ich noch immer skeptisch. Gut, er ist vereidigt (und “inauguration speech” klingt tatsächlich besser als “Amtseinführungsrede”) und er macht, was man als US-Präsident eben so tut. Zum Beispiel “Geheimgefängnisse schließen”.

Das Problem mit den Geheimgefängnissen (oder den sogenannten “black sites“) ist eben jenes: Sie sind geheim. Wenn mal eins aufgedeckt wird, wird’s auch recht schnell geschlossen, ob im Irak oder auf englischem Territorium. Aber was ist mit den unzähligen Gefängnissen, die den Wortsinn nicht längst entstellt haben? Kennt der US-Präsident diese denn? Man sagt, er sei der mächtigste Mann der Welt, aber kennt er auch wirklich alle Leichen in den Kellern von CIA und Co? Mich beschleicht dort ein sehr ungutes Gefühl…

Dabei trägt Obama die Last der Welt auf den Schultern und ein symbolischer Akt, der zumindest noch fragwürdig wenn auch tendenziell grandios ist, wird nicht ausreichen, um alles zu erfüllen, was die Welt so von ihm erwartet. Kleine Wunder. Die Wirtschaftskrise, Amerika wieder “auf Kurs bringen”, Frieden im Nahen Osten… also ich finde, er nimmt da schon viel auf sich. Und es wäre grandios, wenn es denn so läuft, wie es laufen soll.

Gestern Abend lief auf Phoenix eine Diskussionsrunde, die sich mit dem Thema beschäftigte, ob es ein solches Phänomen wie Barack Obama auch in Deutschland geben könnte. Hachja, Barack Obama. Der Mann, der nicht vor dem Brandenburger Tor sprechen durfte, weil er ja “nur” Senator war. Das war ja auch eine wirkliche Glanzleistung der Bananenrepublik Deutschland. Aber gut, nächstes Mal wenn er uns besucht, darf er ein bisschen historischer inszeniert werden. Herr Bundeskanzlerin, das ist ihre Aufgabe.

Ich denke, dass es in Deutschland soetwas nicht geben kann, denn “der Deutsche” ist von “dem Amerikaner” grundverschieden. Klar, unsere Wirtschaft ist so ähnlich, der Konsum ist ähnlich, aber die Mentalität der Leute ist eine völlig andere – und um dort Unterschiede feststellen zu können, gibt’s einfach mal drei Beispiele:

Der Deutsche ist ein eher träger Mensch. In Deutschland muss jedes offizielle Formular doppelt ausgefüllt, kopiert, an 3 Ämter weitergeleitet und dort in Akten abgelegt werden. Der Deutsche stellt sich in einer Schlange hinten an und beargwöhnt jene mit bösen Blicken, die sich vordrängeln. Der Deutsche ist zurückhaltend, aber hilfsbereit – es sei denn, er ist im Urlaub. Wir haben die “deutsche Pünktlichkeit”, “deutsche Wertarbeit”, Dinge, die für die Ewigkeit funktionieren, weil wegen sehr hoher Qualität, und diese verkauft sich auch gut in anderen Ländern. Wir regen uns über die Politik auf, tun aber nichts dagegen. Wir haben sogar ein Wort dafür: Politikverdrossenheit. Das ist deutsch.


Unsere liebenswerten Nachbarn, die Franzosen, haben vermutlich kein Wort dafür, denn sie sind anders. Seit der französischen Revolution vor rund 110 Jahren hat diese Nation eine Vision: “Was nicht passt, wird passend gemacht.” Wenn der Müllmann zu wenig Geld bekommt, dann lässt er den Müll so lange liegen, bis der König enthauptet wurde ein ordentlicher Tarifvertrag auf dem Tisch liegt. Wenn ein Feiertag abgeschafft werden soll, gehen 2 Millionen Franzosen auf die Straßen und machen ihrem Unmut Luft. Der Franzose ist ein genießer, nicht zuletzt, weil er stolz auf das ist, was sein Volk erreicht hat – die Demokratie, guten Wein und guten Käse. Frankreich ist so demokratisch wie kaum ein anderes Land.

Bevor ich aber zum dritten Staat im Bunde voranschreiten möchte, will ich hier noch einmal einen Unterschied am Beispiel des aktuellen Bahnstreiks geben: Wenn in Frankreich die Bahn streikt, dann streikt die Bahn. Da fährt kein Zug mehr, außer vielleicht ein paar für den Notfall. “Der Franzose” beschimpft dann aber tatsächlich “das Management” und nicht “den Lokführer”. Eben lief im TV noch ein Bericht, in dem ein alter Mann mit Hut (in Deutschland natürlich) gezeigt wurde, der einen der streikenden Lokführer mit Hasstiraden à la “Schämen sollten Sie sich!” beschimpfte. In Deutschland ist eben der Streikende der Grund für den Streik – und nicht der Grund des Streiks. Fast simpel.

Und dann haben wir die Vereinigten Staaten von Amerika. Im Norden davon liegt eine friedliche, britische Kolonie, im Süden steht ein Stacheldrahtmauerzaun zu Mexiko. Westlich und Östlich liegt Wasser. Viel – Wasser. Und genau dieser Umstand prägt “den Amerikaner”. Wenn man in Deutschland jemanden als “ungebildet” bezeichnen könnte, wenn er Deutschland nicht auf der Weltkarte findet, trifft dies auf Amerika einfach nicht zu. “Der Amerikaner” muss nicht wissen, wo sein Land liegt. Wozu verdammt? Er ist Amerika, das (zumindest noch) mächtigste Land der Welt! Irak? Egal, da sind wir, irgendwo auf der anderen Seite der Welt. Der Amerikaner ist Patriot und er merkt, wenn ein Mensch gut für sein Land und seinen Lebensstil ist – und genau dort schlug Obama ein. Der Amerikaner hat seine Flagge am Haus und einen weißen Lattenzaun um seinen Garten, wo er jeden Samstag den Rasen mäht.

Erinnert ihr euch noch an die Fußball-WM? Ihr wisst schon, die Fußball-WM. Ganz Deutschland war “schwarz, rot, geil”. Stellt euch ein solches Gefühl in der Politik vor, wie es in Amerika möglich ist. Ohne unseren geschätzten Politikern zu Nahe treten zu wollen, aber mit solchen Schlaftabletten? Mein Großvater hat in seinen über 80 Jahren vieles erlebt und bezeichnet unsere aktuelle Regierung als “Verbrecher”, was für ihn die wohl schlimmste Bezeichnung für einen Menschen ist. Und das liegt nicht zuletzt daran, dass einfach die Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit unserer Politiker in den letzten Jahren und Jahrzehnten so gesunken ist, wie es bei Obama wohl nie mehr der Fall sein kann. Zumal er sich in seinen ersten Tagen ja wirklich gut schlägt, für eine historische Figur, meine ich.

Nein, in Deutschland ist ein Phänomen wie in Amerika undenkbar, das muss ich mir wohl leider eingestehen. Und schließlich klingt “U – S – A !” auch viel besser als “Deutschlaaaand”. Und selbst dafür hat der deutsche Dann noch ein Wort, weil ja weder die Silbe “Deutsch” noch “land” gut zu rufen sind – “Schland”. Jawollja.

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