Das Internet gegen die Deutsche Bahn.
Ok, ein paar Fakten zum aufwärmen: Die Bahn kommt häufig zu spät, die Lokführer der Bahn streiken, das Management verhält sich zumindest oft fragwürdig. (
) Die Bahn war nie der Freund einer guten, transparenten Informationspolitik – und dafür spähte sie jüngst alle (!) ihre Mitarbeiter aus, ein “Datenskandal”, wie man das auf Neudeutsch nennt. Was haben diese Punkte alle gemeinsam? Richtig – Es sind keine Neuigkeiten. Neu ist aber diese Schlagzeile:
Bahn mahnt netzpolitik.org ab
Schick, oder? Jaja, die Sache mit den Mitarbeiterdaten ist schon heikel und Herr Mehdorn, der für sein Sitzfleisch eigentlich schon einen Orden verdient hat, versucht natürlich sein angekratztes Image (und das der DB) irgendwie zu retten. Dass zumindest seines nicht wiederherzustellen ist, ist nicht alleine meine Meinung. Schauen wir uns die Sache doch einmal genauer an:
Am Samstag, 31. Januar 2009, veröffentliche Netzpolitik diesen kleinen Text:
Die Affäre um die private Rasterfahndung von 173.000 Mitarbeitern der Deutschen Bahn geht weiter. Aus anonymer Quelle wurde uns nun das passende Memo des Berliner Landesdatenschutzbeauftragten zugeschickt, aus dem im Moment viele Medien berichten. Wir stellen es mal zur allgemeinen Begutachtung online (PDF).
Interessant zu lesen ist’s allemal, auch wenn es wirklich -frei heraus gesprochen- unter aller Sau ist, was sich “die Auftraggeber” dabei geleistet haben. Gestanden wird allerdings weiter nur das, was man sowieso nachweisen kann – ein Armutszeugnis für eine Firma, die ich einst bewunderte. Ja, die Bahn, “viel besser als ihr Ruf” und solche Sachen, erinnert ihr euch? Schöne Werbekampagnen, freundliches Personal. Noch vor 10 Jahren bin ich gerne mit der deutschen Bahn quer durch Deutschland gereist, mit einer Bahncard 50 für 80 DM. Den direkten Vergleich zur heutigen Zeit möchte ich hier nicht ziehen, denn er beinhaltet hohe Preise und ausgesetzte Kinder; ich denke, man wird mir dies verzeihen – zumal es ja auch (und das ist das Schlimme) nichts Neues ist.
Um wieder auf Netzpolitik zurückzukommen: Die Bahn möchte den Skandal eben im Zaum halten. Die freie Presse berichtet darüber und man kann ja nicht für jeden einzelnen eine Unterlassungserklärung organisieren. Aber im Internet, dem Meinungsbilder der Zukunft, dort, wo alles archiviert wird, da kann man es versuchen. Und so gab es folgendes zu lesen:
Die Deutsche Bahn AG hat mir soeben meine erste Abmahnung für dieses Blog geschickt. Konkret geht es um das interne Memo zur Mitarbeiter-Rasterfahndung bei der Deutschen Bahn, das ich am Samstag hier publiziert habe.
Nun weiß ich nicht, wie die Chancen sind, mich vor Rechtstreitigkeiten mit dem Konzern zu schützen, bzw. ob ich Chancen habe, dagegen vorgehen zu können. Und bitte daher die mitlesenden Juristen um Rat.
Hier ist der Text, der mir heute per PDF in einer Mail zuging:
(gekürzt: Blafasel, fasel fasel, juristisches Bla Bla.)
Im Gamerslang würde ich dazu “n1!” sagen. Und doch ist der Erfolg der Bahn nicht in Sicht, denn das Internet ist eben das Internet und innerhalb weniger Stunden gab es mehr Feedback als man erhoffen konnte. Das Dokument ist im freien Umlauf (auch wenn ich es hier nicht veröffentlichen werde) und eine neue Schlagzeile macht ihre Runde. Netzpolitik wird nun von guten Anwälten unterstützt und die Verbreitung von Informationen, seien sie noch so unliebsam, wird geschützt.
Und so sieht das vorläufige Ergebnis aus: [Internet 1 : 0 Deutsche Bahn]. Mal sehen, was noch so kommt und meine Hochachtung vor den Cojones des Betreibers von Netzpolitik.
Wer noch mehr Links und Informationen will, der findet dies im kompletten Beitrag.
So, das ist mein Teil der Geschichte, aber das Internet ist ja praktisch voll davon. Deshalb gibt’s hier ein paar Links zu anderen Seiten, die ebenso berichten. Tut mir Leid, Herr Mehdorn, aber wir tun nur unseren Job und “würden es jederzeit wieder tun”. Linkwand incoming, liebenswert geliehen vom Pantoffelpunk:
Noch mehr? Nun gut, der “offizielle” Pressespiegel:
- DerWesten: Bahn geht gegen Berliner Blogger vor
- Golem: Bahn mahnt Netzpolitik.org ab.
- HNA: Deutsche Bahn mahnt Blogger ab und legt ein Lauffeuer.
- N24: Bahn mahnt Blogger ab.
- Heise: Bahn mahnt Blogger wegen angeblichen Verrats von Geschäftsgeheimnissen ab.
- Horizont: Drohgebärde gegen Blogger wird für die Bahn zum Bumerang.
- Focus.de: Bahn geht gegen Weblog vor.
Futurezone: Deutsche Bahn mahnt Netzpolitik.org ab.- Zoomer: Bahn vs. Blogger: Nichts als Ärger.
Diese Liste ist im Übrigen schon mindestens einen Tag alt, das Spiel lässt sich also weiterführen. Aus der Sache kommt Herr Mehdorn wohl nicht mehr raus. Und, mal ganz unter uns: Anständige Menschen wären schon mehrmals zurückgetreten…
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2 Responses to “Das Internet gegen die Deutsche Bahn.”
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geschickter konnte die Bahn nicht das “Feuer” auf die eigene Stellung ziehen, ohne Abmahnung wäre das “morgen” schon wieder vergessen gewesen.
kaum hast du in deinem vorherigen Blogeintrag nen paar Kommentare abgesahnt schon packst du hier mal eben nen Monsterbeitrag her ;>
Zum Thema: Ich verstand sowieso nicht was den Herrn Mehdorf bei dem Brief an die Beteiligten durch den Kopf ging?! Ich mein wie schwer kann es sein sich zu entschuldigen wenn man in jedem Falle der Verlierer ist?!