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Interview mit Friedrich von Haber

February 3, 2010 · Posted in think-strange.de by aSak  

Ich hatte vor wenigen Stunden die Gelegenheit für ein exklusives Interview mit einem hohen Tier einer Gewinnspielvermittlungsagentur. Sehr brisantes Material, das, wird vermutlich auch bald auf Wikileaks veröffentlicht. Oder so. Ein kleiner Skandal — jetzt für euch.

Guten Tag, Herr von Haber, schön, dass Sie heute bei uns sind. Vielleicht könnten Sie sich kurz vorstellen?
Hallo, sehr gerne. Mein Name ist, wie Sie schon erkannt haben, Friedrich von Haber. Ich bin Vorsitzender der Vereinigung der Gewinnspieleintragsdienste. Als solcher bin ich dafür verantwortlich, dass Menschen, die an Gewinnspielen teilgenommen haben, auch ihren legitimen Gewinn erhalten. Als Vorsitzender bin ich selbstverständlich nicht nur für Bürokram zuständig. Jeder leitende Mitarbeiter verfolgt die Gewinnübergabe von Anfang bis Ende.

Erzählen Sie uns davon.
Nun, als Erstes kontaktieren wir den glücklichen Gewinner am Telefon. 24 Stunden täglich. Sie haben ja keine Ahnung, wie viele Geld- und Sachpreise täglich gewonnen werden! Da kann der Schreibkram schonmal liegen bleiben. Es ist auch der Grund, warum wir noch keine Webpräsenz einrichten konnten, wofür ich mich entschuldigen möchte. Wie dem auch sei, hauptsächlich sitze ich am Telefon und überbringe den Leuten gute Nachrichten.

Sie sagten, Sie würden die Gewinnübergabe bis zum Ende verfolgen?
Natürlich, diese Gelegenheit gibt es aber nicht oft. Lassen Sie mich Ihnen die Situation schildern: Obwohl ich täglich viele hundert Anrufe tätige und den Menschen von ihrem Glück erzähle, ist die Rückmeldequote unglaublich gering. Wir melden uns mehrfach bei den Gewinnern und dennoch möchte niemand seinen Gewinn abholen! “Hilarious”, wie man in der Fachsprache sagen würde.

Lesen Sie das gesamte Interview.

Sagen wir, Sie überbringen jemandem den Gewinn, wie ist das dann?
Wenn sich der Gewinner bei uns meldet, vermitteln wir ihm seinen Gewinn. Dies können Geldpreise sein oder auch Autos, Tankgutscheine, solche Sachen. Wie ich schon sagte, der Bürokram bleibt leider viel zu oft liegen. Daher müssen die Leute oft sehr lange auf die Auszahlung warten. Gerüchteweise soll einer unserer Mitarbeiter zuletzt einen Gewinn aus dem Jahr 1991 vermittelt haben. Ich habe übrigens noch einen Mitschnitt mitgebracht, damit Sie einmal hören können, wie sich eine solche Vermittlung gestaltet.

Wären nicht vielleicht mehr Mitarbeiter sinnvoll, wenn selbst das Management ranklotzen muss? Sie verdienen doch immerhin an dem Geschäft!
Ja, wir verdienen daran, aber nicht viel, wenn ein Gewinn vermittelt wird. Geld gibt es für uns insbesondere dann, wenn ein Gewinn nicht eingelöst wird. Was unsere Mitarbeiter betrifft, so kann ich dies nicht bestätigen, denn – ich erwähnte es vorhin schon – die Rückmeldequote ist sehr gering. Wir sind der festen Überzeugung, die noch anstehenden Arbeiten zügig erledigen zu können. Der Grund dafür, dass Gewinne nicht eingelöst werden, sind, das ergaben unsere Nachfragen, die Kosten, die dem Gewinner entstehen. Was ebenso “hilarious” ist, wenn man bedenkt, wieviel Geld die allermeisten Angerufenen mit einem Rückruf verdienen könnten!

Was geschieht denn, wenn jemand seinen Gewinn nicht annimmt?
Der Großteil des Gewinns, etwa 60%, fällt in staatliche Hände, bei uns Deutschland und Lampukistan, 30% des Gewinns gehen an uns als Vermittler. Was mit den restlichen 10% geschieht… da sind wir uns nicht ganz sicher. Für uns ist das aber kein Nachteil, ganz im Gegenteil, zumindest was die Geldpreise anbelangt. Ich muss zugeben, dass das Geschäft ganz erträglich ist. Sicherlich steckt auch ein wenig Gewinnmaximierung unsererseits dahinter, doch das ist im heutigen Wirtschaftsleben gang und gäbe.

Gibt es denn Nachteile für Sie?
Wenn ich es recht überdenke: Nein, eigentlich nicht. Außer vielleicht einer Kleinigkeit: Wir wissen nicht, was wir mit dem Drittel Autos in unseren Garagen machen sollen — es ist immer das hintere Ende mit Kofferaum.

Herr von Haber, ich möchte Ihnen herzlich für dieses Interview danken.
Ich danke Ihnen.

Comments

2 Responses to “Interview mit Friedrich von Haber”

  1. kochsiek.org on February 3rd, 2010 14:36

    (Telefon-) Spam der Woche…

    Es wird immer schlimmer. Mittlerweile melden sich die Spammer sogar schon per Telefon. Wir hatten heute folgende Sprachnachricht auf unserem Anrufbeantworter. falls der eingebaute Player nicht funktioniert: Link zur WAV Datei Die dort genannte Rückrufn…

  2. Ladenblogger|Corey on February 3rd, 2010 14:38

    was nervt das! ^^

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