Deutschland, das Saarland, seine Universität und die Zeche.

May 24, 2010 · Posted in think-strange.de, welt-sicht.de · 1 Comment 
saarland_teaser

Es ist Pfingstmontag, “gesetzlicher Feiertag in Deutschland, Österreich, Luxemburg, in weiten Teilen der Schweiz und auch in Ungarn”. Während also im TV nur Wiederholungen gesendet werden, gibt’s hier zumindest eine kleine Neuigkeit, eine Novella, welche das Saarland und seine Studenten betrifft. Das Bundesland segelt zur Zeit, wie ihr wisst, unter jamaikanischer Flagge.

Nun ist es so, dass viele Grüne sich wunderten, warum Herr Ulrich sich statt zur SPD/Linken lieber zur CDU/FDP bekannt hat. Nachdem der Entschluss gefasst war, trat der saarländische Spitzen-Grüne vor die Mikrofone und verkündete mehrfach, wie scharf-links richtig bemerkt, “was seine Partei in der kurzen Regentschaft der Jamaika Koalition alles an grünen Themen habe durchsetzen können”. Eigentlich bemerkenswert für eine 5,9%-Partei, so galant haben’s die Linken just nicht hinbekommen. Ein großes Thema der Grünen war die Abschaffung der Studiengebühren, welche tatsächlich zum Sommersemester 2010 verschwanden.

Eine tolle Leistung, oder nicht? Genau damit möchte ich mich jetzt befassen, denn wie ich in den letzten Wochen feststellen musste, herrscht fast überall -so auch bei scharf-links.de- Unklarheit darüber, wie es sich nun mit den Gebühren verhält. “Gebühren? Ich dachte die seien…” – ja, aber nicht lange. Vor wenigen Wochen hatte ich Einblick in den Gesetzesentwurf, den ich leider gerade nicht mehr finde, und dieser spricht eine andere Sprache.

Jetzt zahl’ ich. Jetzt zahl’ ich nicht.

Sucht man bei Google nach “Grüne Saarland Studiengebühren“, so findet man unzählige Treffer, die von einer Abschaffung ebendieser berichten. Das ist vollkommen richtig, so lange man sich nur auf das Sommersemester 2010 bezieht.

“Und 2011?” – “Sieht nicht so gut aus.” – “Warum?” – “Klick.”
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Heute: Das Philosophencafé der UdS läd ein.

April 30, 2010 · Posted in think-strange.de · Comment 
philo

Guten Morgen, 6:24 und ich liege noch eine Stunde im Bett. Heute ab 17:00 Uhr findet im Philo-Café der Universität des Saarlandes die offizielle Feier zur Wiedereröffnung statt. Wenn ich das so sagen darf. Weil ich ab 14:00 dort vor Ort sein werde, gibt’s (vielleicht, wenn ich dazu komme) nen Live-Bericht mit Bildern. Eingeladen sind… alle. Wie schon gesagt, ab 17:00 Uhr im Philocafé der Uni, Gebäude C5.2, recht schwer zu finden. Einfach der guten Stimmung nach.

Öh, ja. Später dann. Alors, es ist 16:45 und alle Vorbereitungen sind abgeschlossen. Es wurde Bier gekauft, Holz organisiert und restliche Besorgungen können zumindest nicht mehr im lokalen Edeka erledigt werden. Zwischen 4 und 10 Personen sind anwesend; es wird gewartet. Sehen wir, was noch kommt.

18:04: Seit einer Stunde ist alles im Gange und es sammeln sich tatsächlich Menschen hier. Viele Menschen. Ok, nicht übertreiben, einige Menschen. Kühltruhe und Kühlschrank sind eisig, die allgegenwärtie Liebe ist enorm. Es wird geknuddelt. Philosophen sind toll.

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Journalismus/Reportage: Naheliegende Artenvielfalt.

April 24, 2010 · Posted in think-strange.de · Comment 

Zweite Seminarwoche, Wildparkbesuch mit der Order, eine Reportage darüber zu schreiben. So könnte das dann aussehen, wenn man’s denn lesen möchte. Uuuund los.

Viele Einwohner von Saarbrücken und auch die allermeisten Studenten kennen den neben der Universität gelegenen Wildpark, zumindest vom Vorbeifahren. Als Besucher wird man auf dem Parkplatz zunächst von dem geschnitzten Emblem des Parks und einer Übersicht über den Park empfangen: Seit 1929 stellt dieser Besuchern auf rund 17 ha etwa 18 verschiedene, einheimische Tierarten – von Pony bis Esel, von Wisent bis Wildschwein – zur Schau. Kostenlos, gesponsort durch die lokale Filiale der Sparkasse. Der Park ist dabei in mehrere Wege unterschiedlicher Länge unterteilt. welche nach Eule, Ziege und Luchs benannt sind.

Mit diesem (zugegeben geringen) Vorwissen betrete ich den Park und es bietet sich mir zunächst ein Bild, das man eigentlich zur Begrüßung nicht erwartet: Sowohl die Kaninchen, als auch die Insekten und Amphibien des nebenstehenden Feuchrtbiotops zeigen sich nicht. Möglicherweise in weiser Voraussicht werden auf dem „Eulenpfad“ daher auch verschiedene Gesteine vorgestellt: Der erste Brocken am Wegesrand ist als Granit/Pegmatit beschrieben, sein Alter wird auf rund 540. Mio Jahre geschätzt. Während ich diesen betrachte, zeigen sich die ersten Tiere des Wildparks, wenngleich nicht hinter Zäunen: Ein Rabe und Wurm befinden sich im Zank. Ich beobachte das Treiben und habe die Vermutung, dass sich neben der eingesperrten Fauna auch viele weitere Tierarten im Park mehr als wohl fühlen.

Unendlich Tiere und Natur, geschrieben auf digitalem Papier. Jetzt lesen.
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Journalismus: Die letzte Orange.

April 17, 2010 · Posted in think-strange.de · Comment 

“Stellt euch vor, dies sei die letzte Orange auf diesem Planeten”, so lautete im groben die kleine Übungsaufgabe des Seminars. Nun, keine großen Vorworte, so sähe das dann möglicherweise aus. Ein Stück mittelmäßige, journalistische Prosa.

Das ist sie also, die vermutlich letzte Orange der Erde, welche durch eine Verkettung glücklicher Umstände in meinen Besitz gelang. Noch vor wenigen Jahren waren Orangen mitunter die beliebtesten Früchte, die man für den täglichen Gebrauch als Saft oder Nachspeise kaufen und genießen konnte. Heute ist dies anders, die Apfelsine ist vom Angesicht der Erde verschwunden. Bis auf dieses Exemplar.

Die zum Teil noch helle Schale verrät, dass die Orange noch nicht zur Gänze gereift ist, ein Zustand, der sich jetzt nur mehr schwer verändern lässt. Sie liegt schwer in der Hand, fühlt sich im Gegensatz zum äußeren Erscheinen aber reif und saftig an. Sollte man dieses vielleicht letzte Zeugnis einer verschwundenen Pflanze überhaupt verzehren?

Rau ist sie und sie riecht, wie es für Orangen üblich war, verlockend und süß. Ja, auch wenn es die letzte Frucht ist, so wird sie den gleichen Weg und Nutzen erfahren, wie viele ihresgleichen zuvor. Ohne ein Messer scheint sie sich gegen die Versuche, die Schale zu entfernen, zu wehren; bittere, weiße Fasern haften hartnäckig an der Außenseite des Fruchtfleisches. Es benötigt etwas Geschick, die Orange zu zerteilen, doch es ist dieser Moment, der wehmütig macht: Der süße Duft steigt in die Nase, entfaltet sich in der gesamten Umgebung. Ein letztes Mal.

Oh noes! Die letzte Orange! Echt jetzt!
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Weichzielverluste.

April 15, 2010 · Posted in think-strange.de, welt-sicht.de · 3 Comments 

Vorwort

Die erste Woche des zweiten Semesters an der Universität hat begonnen und ich stecke schon mittendrin. Was, weshalb ich es erwähne, der Grund dafür ist, warum hier so wenig aktueller Text steht. Germanistik und Philosophie sind Nerdscheiße, aber meines Erachtens wirklich erlernenswert. Wenngleich dies ein harter Sommer mit einigen Klausuren, mündlichen Prüfungen, Hausarbeiten und Präsentationen zu den abstrusesten Themen von der Semantik der deutschen Sprache bis hin zum Leib-Seele-Problem wird. Ich werde bei Gelegenheit mit Sicherheit ein paar Worte dazu verlieren und mit elitären Fachwörtern gekonnt um mich werfen.

Habemus Parkplatz.

Nachwort

Ich kann es nicht fassen, dass so viele Menschen am Dienstag “Neues aus der Anstalt” verpasst haben, eine der letzten Kritikbastionen im öffentlich-rechtlichen TV. Kann mir jemand erklären, wie man das guten Gewissens versäumen kann? Hier, der erste Grund zum Schämen:

Krass, wie Herr Schramm einfach das sagt, was ich denke, so von wegen Afghanistan, Bundeswehr und öffentlicher Trauer. Oder hier, der Herr Rether, mit seinem Lament zur Kirche und einem schönen Liedchen für den Papst.

“Ja, nur noch einen Klick, dann hast du’s geschafft!”
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Universität 09/10: “Diplome! Frische, heiße Diplome! Nazis! Blöde Nazis!”

January 22, 2010 · Posted in Empfehlenswertes, think-strange.de · 2 Comments 

In genau 2 Wochen und einem Tag schreibe ich meine erste und letzte Klausur für dieses Semester. Es wäre daher Zeit, ein Fazit zu ziehen, was jedoch nicht geschehen wird. Nicht so echt. Das Bachelorstudium der Germanistik und der Philosophie meinte es wohlwollend mit mir, das Zeitmanagement bedarf weiterer Verbesserungen. Bestimmt seid ihr sehr neugierig, welche Inhalte man denn so vermittelt bekommt. Deshalb:

Eine Stichwortliste mit den Basics und Einführungen
Syntax, Morphologie, Phonologie, Gattungslehre, Lyrik, Editionstechnik, Epochen der Literatur, Mediävistik, Volksetymologie, Techniken wissenschaftlichen Arbeitens, Moralphilosophie, Mitleidsethik, Staatsphilosophie, Utilitarismus. Und so. Im zweiten Semester geht’s weiter mit den Einführungen und spannendem neuen Unsinn. Was genau dort folgt, weiß ich selbst noch nicht. Genau das ist der Grund für mein Schreiben: Ich raste hier gleich völlig aus.

Dank der neuen Studienordnung benötigen die meisten meiner Vorlesungen und Proseminare eine Voranmeldung, eigentlich recht bequem online zu erledigen. Wenn denn das Vorlesungsverzeichnis vollständig wäre. Nicht nur, dass einige meiner benötigten Kurse noch nicht eingetragen sind, nein, die Veranstaltungen, die ich schon belegen kann, liegen unglaublich unglücklich. Bisher sind’s 5 Vorlesungen in 4 Tagen -- und viel mehr weiß man nicht. Lediglich, dass meine gern gemochte Philosophieveranstaltung “Einführung in die Philosophie des Geistes” bei dem eventuell-ein-wenig-legendären Prof. Dr. Heinz-Dieter Heckmann, welche ich zudem auch im kommenden Semester bewältigen sollte, mit einer meiner Germanistikvorlesungen kollidiert. Großartig, wenn einem schon im zweiten Semester das “Du musst den Bachelor aber in 6 Semester machen!” aus dem Kopf geprügelt wird, weil die Studienkoordination anscheinend dermaßen dämlich ist. Unfasslich.

Und genau in jenem Moment, in dem ich ebendiese Geschichte erzähle, erscheint eine bewusstseinserweiternde Nachricht in Skype:

diplomas_here: Degree in any field.

GET YOUR DIPLOMA TODAY!If you are looking for a fast and effective way to get a diploma,(non accredited) this is the best way out for you. Provide us with degree you are interested in. Call us right now on: +13122607939 “Just leave your NAME & PHONE NO. (with CountryCode)” in the voicemail.
Our staff will get back to you in next few days!< <<

Genau! Scheiß auf den Bachelor, ich kauf mir ein Diplom! Wobei ich nicht glaube, dass das so erlaubt ist.

Oh, a propos Stichwort: Erlaubt!
Wie mancher von euch sicher weiß, findet am 13. Februar im Dresden eine Demonstration von Nazis statt. Eine Demonstration, die anderswo als größter Naziaufmarsch Europas bezeichnet wird. Nazis, ihr erinnert euch, dieses braune Gesocks, das riecht wie Erbrochenes und auch so aussieht. Wie ihr ebenso wisst, weil es durch alle Medien ging, soll an jenem Tag auch eine Gegendemonstration stattfinden. Ihr wisst: So ganz in Ordnung ist das nicht. Manche reden von einer Ordnungswidrigkeit, andere von einer Straftat. Warum das so ist – darüber werden die wildesten Geschichten erzählt. Soweit ich es überblicke, darf man die Nazis nicht an ihrer eigenen Demo hindern, weil… keine Ahnung, Pluralismusdemokratie oderso. Und genau darum geht es:

+++ auf gar keinen Fall eine warnende WERBUNG nicht +++
Liebe Leute, ihr müsst auf gar keinen Fall am 13. Februar nicht nach Dresden fahren. Ihr dürft euch unter keinen Umständen nicht auf den Boden setzen und die netten Neonazis nicht blockieren. Ihr dürft dies auch absolut niemals nicht mit Stühlen tun. Weiterhin ist es strengstens untersagt, euren Freunden nicht davon zu erzählen und Plakate oder Aufkleber nicht zu verteilen. Ebenso ist es inakzeptabel, wenn ihr euch nicht um Fahrgemeinschaften bemüht, welche euch nie nicht zum Beispiel von Saarbrücken aus nach Dresden bringen. Und die Nazis nicht verachten und nicht bespucken, das sei euch auch verboten!

Und prominente Unterstützung wird’s sowieso nicht fernbleiben — damit das klar ist!
+++ auf gar keinen Fall eine warnende WERBUNG nicht +++

Presseecho.

Presseecho.

Damit wäre auch das geklärt. Denn, unter uns und ganz ernsthaft, Nazis gehn mal garnich. Ich würde sagen: Jetzt ist erstmal Wochenende. Ich verabschiede mich für heute mit Musik für die Revolution der guten Laune. Haunse.

“Irie Révoltés -- “Rebelles”.

Paroles en français, s’il vous plait.
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Wie sieht eigentlich guter Stil aus? — Schreiben für Fortgeschrittene.

January 13, 2010 · Posted in think-strange.de · 4 Comments 

Es gibt mindestens zwei Gründe, warum das neue Jahr mit Stille beginnt. Vorweg: Politikverdrossenheit ist nicht darunter, im Gegenteil. Doch darüber möchte ich heute nicht berichten, Persönlich wird’s später. Wenngleich einer der Gründe im direkten Zusammenhang mit meinem Job als eifriger Student steht. Von vorne. Oder…

Nein, wir überspringen den politischen Part, der ohnehin nur darüber erzählt, wie langweilig und dröge die Diskussionen zur Zeit geführt werden. Weiterhin bin ich zur Zeit sehr mit einem Buch beschäftigt, welches ich jedem Leser zugleich ans Herz legen möchte. Geschrieben von Wolf Schneider, einem vielleicht nicht zu bekannten Mann, trägt es den Titel “Deutsch für Kenner: Die neue Stilkunde“. Ich kann es nur wiederholen: Jedem ans Herz legen. Ich verspreche: Es lohnt sich, ist nicht teuer, macht Freude beim Lesen und schont Zahnfleisch und Zähne.

Jetzt: Feierabend, morgen geht’s durch bisher 15cm Neuschnee zur Universität. Die Bildung streikt schließlich nicht von alleine und sicher wäre auch Erich Kästner traurig, wenn ich morgen nichts zu seiner neuen Sachlichkeit hörte.

In diesem Sinne.

Dreieinhalb Wochen. ein Pamphlet.

November 21, 2009 · Posted in think-strange.de, welt-sicht.de · 3 Comments 

So lange befindet sich das Kabinett Merkel II jetzt im Amt. Es wäre viel interessanter, wenn heute zufällig genau 4 Wochen vergangen wären, aber man kann ja nicht alles haben. Dreieinhalb Wochen schwarzgelbes Deutschland, gibt’s denn schon etwas vorzuweisen? Ich meine, irgendwas muss ja schon passiert sein. Zum Beispiel…

die Besetzung deutscher Universitäten
Dass die Bildungspolitik der letzten Jahre in Deutschland verheerende Folgen haben würde, war mir schon bewusst; ich hätte dennoch nicht geglaubt, dass es so schnell gehen würde. Nehmen wir das Saarland oder besser: seine Universität in Saarbrücken. Der Musiksaal, Gebäude C5.1, ist vermutlich auch am Wochenende besetzt. Während Donnerstag und Freitag noch regulär Vorlesungen stattfanden, ist zumindest geplant, ab Montag auch den Unterrichtsbetrieb einzustellen. Leider dachte ich bisher nicht an Fotos, mea maxima culpa. Präsident der Universität des Saarlandes ist Volker Linneweber, der zumindest in der Philosophischen Fakultät unter den Studenten keinen besonders guten Ruf besitzt.

Warum besetzt man Universitäten, in Deutschland wie in Österreich? Nun, es geht –wie könnte es auch anders sein– um Studiengebühren, Lernbedingungen, Förderung von Studenten, G8, das Bachelor-Master-System und den Bologna-Prozess und viele weitere Dinge, die zusammen einen großen Haufen bilden. Lösungsvorschläge zu den angesprochenen Problemen gibt es wohl zu Genüge, doch scheint das Thema an der Bundesregierung noch völlig vorbeizugehen. Da, die Schavan zum Beispiel, die ich vor Kurzem noch nicht zu böse charakterisierte. Will mehr BAföG für die Studenten. Ist von allen Ideen wohl diejenige, die den Studenten noch am Wenigsten bringt, denn mehr Geld vom Staat bedeutet auch mehr Schulden beim Staat. Im Gegensatz zu diesem kalkulieren Normalbürger jedoch nur das Geld ein, das sie besitzen. Sonstige Lösungen – Fehlanzeige.

Als Konsequenz wird wohl auch die Kultusministerkonferenz im Dezember in Bonn bestreikt. Ob es hilft? Die Chancen sind erstaunlich gering. Es stellt sich die Frage: “Wie lange kann eine Regierung ein Problem aussitzen?” – wobei es doch im Interesse aller ist, kompetente und richtungsweisende Lösungen zu finden. Nur zu viel Zeit sollte man sich nicht mehr lassen…

Neues von der Zombiegrippe
…nein, lassen wir das. 100.000 Deutsche sollen schon infiziert sein, wir sind ein einziger Suchenherd! Schließt die Grenzen, Flughäfen und Häfen – shutdowneverything! Sonst ist’s zu spät! Ehm — verzeiht mir meine Panikattacken. Diese latenten Biester wird man einfach nicht los. Und da kann auch die Regierung nichts dran tun, denn der Impfstoff, den man vor der Grippesaison bekommt, ist erst nach der Grippesaison verfügbar. Nicht dass man sich dagegen impfen lassen sollte; die Letalität von H1N1 ist weit weniger dramatisch, als man das zunächst vermutete. Die Pointe:

Weil sich weit weniger Menschen als erwartet impfen lassen möchte, wird der Impfstoff früher oder später seinem Haltbarkeitsdatum erliegen. Da gehen sie hin, unsere Steuermilliarden. All diejenigen, welche die Hoffnung auf die Zombieepidemie noch nicht aufgegeben haben, werden weiterhin abwarten müssen. Ich möchte an dieser Stelle nocheinmal nachdrücklich die Referenz für die Zombieapokalyse verweisen, Max Brooks’ meisterlicher Zombie Survival Guide: “Überleben unter Untoten”. Der Renner für unter den Weihnachtsbaum. Und nun widmen wir uns lieber wieder der Realität.

Wirtschaftskritisches Allerlei.
Der Dauerbrenner seit mehr als einem Jahr. Man prognostiziert für 2010 mittlerweile eine Arbeitslosenquote von fast 10%, Kurz- und Leiharbeit soll ausgeweitet werden. Ist für die Firmen in der Krise natürlich günstiger und würde ich eine große Firma leiten, so täte ich nichts anderes. Sonst ist man ja nicht mehr wettbewerbsfähig. Wettbewerbsfähig, ein wundervolles Wort. Sonst wandern die Firmen ab, ins Ausland. Mindestlohn lässt Firmen ebenfalls auswandern. Deshalb gibt’s das hier auch alles nicht und niemand weiß, wie tief der Karren eigentlich im Dreck steckt oder ob er gar noch einen Wohnwagen zieht. Wachstum, das brauchen wir, ungehindertes tumorartiges Wachstum. Und dann schlägt die beste Prognose der Woche ein:

Wir Deutschen sterben noch immer aus. 2060 wird’s von uns nur noch zwischen 65 und 70 Millionen geben und jeder Dritte ist über 65. In ~50 Jahren. Denken wir uns doch einmal 50 Jahre zurück, ins glorreiche 1959. In dem Jahr hat sich beispielsweise Fidel Castro in Kuba niedergelassen. Kalter Krieg und so, die USA gegen die Sowjetunion. Jene Sowjetunion, welche wiederum seit ~20 Jahren nicht mehr existiert. Oder Heinrich Lübke wurde 1959 Bundespräsident, China annektierte Tibet und im Saarland wurde die D-Mark offizielles Zahlungsmittel. 1959 hat Deutschland 72.542.990 Einwohner. Und kein einziger dieser damaligen Bürger hat sich vermutlich angemaßt, zu wissen, wie die Bevölkerungsstruktur im Jahr 2009 aussieht. Jetzt mal ganz ernsthaft:

Solche Sachen könnte sich ein Drehbuchschreiber gar nicht ausdenken. Weiterhin ist nicht nur die Statistik an sich ein totaler Witz, sondern auch ihr Nutzen: Wem helfen diese Spekulationen? Das kostet doch Geld, das wir nicht haben, obwohl wir doch im nächsten Jahr 89.000.000.000 Euro neue Schulden machen wollen. Die entscheidendenn Frage an meine Bundesregierung: “Wisst ihr eigentlich, was ihr da im Moment tut?” und “Ganz sicher?”

Ja aber…

Genau! Ja aber! Seien Sie eingeladen, den gesamten Text zu lesen. Schauen Sie nur.
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2009, Woche 44: eine sehr kurze digitale Übersicht

November 2, 2009 · Posted in Empfehlenswertes, think-strange.de · 1 Comment 

Jetzt ist’s geschehen: Ich könnte noch schlafen, wenn ich schlafen könnte, doch weil ich nicht schlafen kann, schlafe ich nicht. Stattdessen sitze ich um kurz vor 9 vor meinem Rechner und ärgere mich moderat darüber. Hier ist’s in letzter Zeit unregelmäßig und ich vermute, es wird dabei bleiben, weil -ich glaub’s selbst noch nicht ganz- mein Real Life dem euren möglicherweise überlegen ist. Leider tendiert meine Laune auf Blogposts am Abend gegen Null, obwohl es an Themen nicht mangelt: Eines davon, mein täglich Brot, die Universität.

Wo fange ich an? Chronologisch die Woche? Sehr einfallslos, das. Akzeptiert. Dienstag 6 Uhr — der Wecker klingelt. Die Disziplin und der frühmorgentliche Lärm sind das Zweitschlimmste am sogenannten Alltag; ich werde mich vielleicht eines Tages daran gewöhnen. Der Zug ist in Ordnung, auch wenn ich meine Zweifel an der deutschen Bahn und einiger ihrer Kunden habe! Doch… Die Pointe in Form eines Haikus.

Bus früh am Morgen
Zusammen Massenpanik
Verdammter Selbstmord

Ich könnte euch noch davon erzählen, was man an der Universität so lernt, als Germanistikerstsemesterstudent, bisher ist’s eigentlich nur Deutschunterricht für Fortgeschrittene. Tu ich nicht. Stattdessen würde ich gerne die erschreckenden Auswirkungen des aktuellen Bildungssystems in die Welt Posaunen. Die Bildungsdefizite, die G8 mit sich bringt, sind verheerend. Deutsche Grammatik mochte wohl kaum ein Schüler, doch wenn ein solcher “Germanistik auf Lehramt, hihi” studieren möchte, so sollte er zumindest wissen, was ein Verb ist. Sei’s drum.

Ich habe eben meinen Tag vorgeplant, niedergeschrieben, was ich alles tun muss, sonst vergess ich alles. Bloggen sollte ich dringend, also tu ich’s jetzt noch. Es gab auch das krasse Gegenteil zu G8, einen Studenten im 13. Semester. Seltene Spezies, heutzutage, aber hartnäckig. Und mittags betrunken. Mh, Studentenpack.

Oh, ich muss noch Werbung machen, bevor ich’s wieder vergesse: Gestern Abend lief der erste Teil der Neuverfilmung des Seewolfs im 2DF. Obwohl er von manchen nicht so gnädig beurteilt wurde, fand ich den Film sehr sehenswert. Eigentlich wollte ich ihn nur Aufzeichnen —das darf man doch, wenn man GEZ bezahlt, oder?—, doch fesselte mich der böse Seemann so sehr, dass ich mich heute darüber ärgere, dass sie einen Zweiteiler draus gemacht haben. Der Roman von Jack London ein Zweiteiler! Barbaren.

Indes bietet’s mir die Möglichkeit, euch den Kauf der DVD nahezulegen. Kapitalismus, hurra! Den zweiten Teil gibt’s am Mittwoch um 20:15 und Freitag im Handel. Und der Preis ist fair.

Ich widme mich jetzt erstmal wieder meinen Büchern. Und warte auf den Postboten mit einem Paket von amazon auf mich. Ironie des Schicksals, oder so etwas Ähnliches. Mh. Prokrastination

Hab’s vergessen! ZDFneo ist gestartet und ersetzt den ZDFdokukanal, stellt eure Digitalreceiver ein. Voll hip. Musik-TV ohne Klingeltöne, alternative Serien und… ich weiß auch noch nicht. Vielleicht sollte man das im Auge behalten, man zahlt schließlich dafür. Sogar bei Twitter unter @ZDFneo. Nunja… warten wir’s ab.

Wikipedia: Quelle endlosen Wissens?

October 20, 2009 · Posted in think-strange.de · 1 Comment 

Ich erinnere mich noch daran, als ich das erste Mal über die Wikipedia stolperte, 2001, 2 oder 3. Das Konzept von Wikis war mir gänzlich neu, ich verstand die Seite kaum, drückte aber instinktiv auf “Editieren”, zerstörte eine vorhandene Seite mit Kauderwelsch, speicherte es, erschrak darüber und zog von dannen. 2004 registrierte ich mich und widmete einen großen Teil meiner Freizeit dem Projekt, welches damals noch sehr idealistisch und ambitioniert war. “Das Wissen der Welt auf einer Seite, woah!”, so dachte ich’s mir damals.

Heute hat sich doch einiges verändert, wenn auch nicht alles: Ich nutze Wikipedia auch weiterhin als Wissensquelle zu fast jedem Lemma, doch immer häufiger die englische Version. Ich führe das nicht nur auf meine verbesserten Englischkenntnisse zurück, sondern auch darauf, dass die deutsche Wikipedia immer mehr zu einem -freundlich ausgedrückt- elitären Kreis zu verkommen scheint. Schon zu meiner Anfangszeit gab’s Streitigkeiten zwischen Admins, welche ich schon damals nicht nachvollziehen konnte. Heute ist die Wikipedia weitestgehend unter dem Deckmantel einer direkten Demokratie bürokratisiert. Es gibt Löschdiskussionen, Abstimmungen, Meinungsbilder und manchmal sogar noch, versteckt, Humor.

Doch nicht immer. Das jüngste Beispiel, welches zur Zeit -nicht nur – in der Blogosphäre Wellen schlägt, ist die Löschung des Artikels zu “Mogis“, Missbrauchsopfer gegen Internetsperren. Ich gebe zu, dass der Verein vielleicht nicht die letztmögliche Institution ist, die man in der Internetzensurdebatte zu Rate ziehen sollte; den Artikel dazu aus der deutschen Wikipedia aus “Relevanzkriterien” zu löschen schlägt dem Fass dennoch den Boden aus. Ich rege mich nicht alleine drüber auf, auch wenn der Artikel meiner Meinung nach nicht den Wirbel verdient hat, den er nun bekommt. Das Problem ist aber mitunter diese Löschpraxis: In meiner muttersprachlichen Wikipedia gibt’s keine Einzelartikel zu fiktionalen Personen oder Orten, keine Informationen zu “irrelevanten” Themen. Doch – wer bestimmt, was irrelevant ist und was nicht?

Mir fällt grade keine tolle Überleitung ein, aber lies doch einfach den Beitrag weiter und ignorier diese Zeile.
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