Historisch potentiell negativ konnotiertes Vokabular in der deutschen Gegenwartssprache.

June 14, 2010 · Posted in think-strange.de, welt-sicht.de · 3 Comments 

Solch ein vermeintlich heikles Thema zur WM. Die Fakten: “Katrin Müller-Hohenstein hat sich in ihrer Wortwahl etwas vergriffen als sie das freudige Vorkommnis des erzielten Tores von Miroslav Klose beim gestrigen Deutschland-Spiel”[1] kommentierte: “Für Miroslav Klose ein innerer Reichsparteitag, jetzt mal ganz im Ernst, dass er heute hier trifft [...]“. – hatte ich richtig gehört? Hatte die Frau das wirklich gesagt? Sagt man sowas? Jetzt?

Ich selbst twitterte parallel “Ehm, ein ‘innerer Reichsparteitag’, liebes @zdfonline? Sowas sagt man im TV? Ich staune.” und bei dieser Einschätzung bin ich trotz der erwarteten Diskussion geblieben. Es ist zumindest fragwürdig, ob man eine solche Redewendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bei einer Übertragung benutzt, welche in Deutschland von 28 Millionen Menschen gesehen wurde. Ich werde dies begründen, doch zunächst einen Blick auf die Reaktionen, welche die Äußerung tatsächlich hervorgerufen hat, ohne den sachfremden Pawlow’schen Hund zu bedienen.

die Presse in aller Kürze

Google News füllt sich. Spiegel.de titelt: Spruch von ZDF-Moderatorin löst Protest aus. Kritische Stimmen erheben sich gleichwohl.

@danimo: Zur reaktion der Zeitungen auf den inneren #reichsparteitag faellt mir nur eines ein: #beissreflex. Vorschlag fuer naechste Woche: #autobahn

So kritisch, dass… Hell!, es gibt sogar einen eigenen Twitteraccount @reichsparteitag! Mehr gibt’s unter…
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Offene Notiz: “Ja, Ich weiß, wohin!”

June 13, 2010 · Posted in think-strange.de, welt-sicht.de · Comment 

Meine werten Leser, liebe Kolleginnen und Kollegen, Blogger und Journalisten,

einst bezeichnete man uns als vierte Gewalt des demokratischen Staates. Der Einfluss aller Medien ist enorm. So enorm, dass man nach dem Rücktritt von Herrn Köhler gar vielerorts spekulierte, dass Blogger den Bundespräsidenten zu seiner Entscheidung trieben. Natürlich halten manche dies für Unsinn, doch ich möchte die These aufstellen, dass nicht nur die Blogs, sondern alle Medien ihren Teil dazu beitrugen. Medien sind mächtig.

Die Blogger sind nur der Ursprung. Erst wenn die Presse in Print bis TV die öffentliche(re) Kritik aus Blogs aufgreifen, sieht sich die Politik in Bedrängnis. Der Spiegel hat jetzt eine Barriere durchbrochen, das Tabu “zerstörte Regierung” ist gefallen. Nur so erklärt sich eben jenes Bild aus dem ZDF, Berlin direkt:

Einen Ruf nach den und an die Medien, welche die Politik tatsächlich verändern können, gibt’s im Beitrag unter…
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#WM2010: “Geil, aber.”

June 11, 2010 · Posted in think-strange.de, welt-sicht.de · 6 Comments 

Wie drücke ich es am besten aus. “Woohoo, es ist WM!” — ich bin tief gesunken. Und doch macht’s mir Spaß: Die letzte WM -wir erinnern uns- wurde mehrheitlich sehr begeistert aufgenommen. Public Viewing, das ganze Land ist in guter Stimmung, jeder mag jeden. Ein interkultureller Höhepunkt in der jüngsten deutschen Geschichte, insgesamt betrachtet, ist vielleicht nicht übertrieben. So etwas steckt sogar mich an.

2010 hat Südafrika die Ehre, die Weltmeisterschaft auszutragen, was in großen Teilen des Landes, ähnlich wie in Deutschland 2006, begrüßt wird. Soeben lief das erste Spiel, Südafrika “gewann” gegen Mexiko 1:1: Jeder Sieg ist ihnen zu gönnen. Denn das Turnier weckt Hoffnungen, für Afrika, den Kontinent und seine Menschen. Selbst die semi-offiziellen Lieder sind fein, ob nun Shakira oder K’naan. Kurz: Die WM 2010 scheint, wiedereinmal, ein großartiger Erfolg zu werden.

Eigentliche mache ich alle vier Jahre nur eine Ausnahme, denn Fußball finde ich in höchstem Maße uninteressant. Ich verstehe den Fan-Kult um die Mannschaften nicht, ich verstehe die hohen Gehälter nicht, ich verstehe nicht, welcher Pokal aus welchem Grund erhaltenswert ist. Und so viel Spaß mir die WM auch dieses Jahr wieder macht, so muss ich, wie üblich, Kritik üben. Weniger am Event an sich, als um einige Dinge, die in seinem Namen geschehen.

“Und was, bitte?” – “Kapitalismus.” – “Och neeeee.” – “Oh wohl!”
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“Nostalgisch und Linksextrem” von Report Mainz — ein Kommentar.

May 12, 2010 · Posted in think-strange.de, welt-sicht.de · 14 Comments 

Trolle solle man nicht füttern, so heißt es — doch von Zeit zu Zeit muss man sich mit ihnen auseinandersetzen. Vor wenigen Tagen lief in der ARD bei Report Mainz ein Bericht zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen mit dem ganz und gar unpopulistischen Titel “Nostalgisch und Linksextrem“; Inhalt: eine Auseinandersetzung mit den Kandidaten der Linken zur Wahl. Zuletzt (aber nicht ausschließlich) darauf hingewiesen wurde ich von einem meiner Lieblingsleser. Weil ich nun also wissen möchte, wie berechenbar ich wirklich bin, gibt’s jetzt meine persönliche Einschätzung des Berichtes hier, von Anfang bis Ende. Zunächst daher der Bericht:

Beginnend mit dem Vorwort muss man schon anmerken: Ist so nicht ganz richtig; zum Zeitpunkt der Produktion waren große Koalition und Rot-Rot-Grün die einzigen Optionen, mittlerweile hat es die “Ampel” zumindest als theoretisches Konstrukt in die Debatten geschafft. Die Rhetorik und Methodik von Herrn Pinkwart soll aber nicht Thema dieses Artikels sein, weshalb wir besser mit dem Inhalt fortfahren:

“Freiheit muss nicht sein”: die Rote Hilfe.

“[...] Die Linken gelten nicht nur als chaotisch und zerstritten, sie haben auch sehr fragwürdige Ansichten, z.B. zur DDR.” -- erklärt uns die Moderatorin. Es folgt ein Clip, möglicherweise “Archivmaterial” (siehe Kommentare!), in dem ein offenbar geistig verwirrter Mann das Lied der Partei intoniert. Nun ist es so, dass seit 20 Jahren weder die DDR noch das Parteilied in der Öffentlichkeit präsent sind, der Vers es aber schafft, schon in den ersten Sekunden ein beklemmendes Gefühl hervorzurufen: Die DDR ist zurück, ein Schrecken für jeden Demokraten! Mit dieser Einstimmung kann das Thema dann endlich beginnen, die Frage, wer eigentlich nun in den Landtag einzieht.

Selten ließ sich ein TV-Bericht in allen Bereichen so leicht demontieren. Liebe ARD-Mitarbeiter, liebe Leser -- tendenziöser Journalismus vom Feinsten. So viel, dass er fünf DIN-A4-Seiten füllt!
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Kritische Notizen zum #TVDuell im WDR zwischen Rüttgers und Kraft.

April 27, 2010 · Posted in think-strange.de, welt-sicht.de · Comment 
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Mittels moderner Kommunikation und Technik war es mir möglich, das heute ausgetragene TV-Duell zwischen Frau Kraft (SPD) und Herrn Rüttgers (CDU) live zu verfolgen und auch bei Twitter zu kommentieren. Leider erwiesen sich die dortigen 140 Zeichen wiedereinmal als zu wenig, um meinem Unmut adäquat Ausdruck zu verleihen. Deshalb bin ich hier.

Zunächst einmal wäre, wie so oft, zu erwähnen, dass wir in Deutschland eigentlich kein Zwei-Parteien-System besitzen; neben CDU und SPD treten 23 weitere Parteien bei der Landtagswahl in NRW an. Nun ist es sicher einfach, die Republikaner, die bibeltreuen Christen oder die Violetten bei einem TV-Duell außer Acht zu lassen, umfassen diese drei Parteien beispielsweise nur etwa 1.700 Mitglieder. Was ich aber nicht verstehe, ist, wie man die Grünen (11.200 Mitglieder), die FDP (~18.000), die Linke (8.600) und die Piraten (2.250), also die nächsten vier großen und ernsthaften Parteien, nicht einmal ins Studio einladen kann. Es soll zwar am Mittwoch – glaube ich – eine große Runde mit allen Parteien geben, aber wohl eher aus Anstands- statt aus Willensgründen. Das, mein lieber WDR, meine lieben deutschen Medien, ist nicht in Ordnung. Es werden hier falsche Signale gesetzt.

Inhaltlich gibt’s eigentlich wenig zu sagen. Die beiden Kontrahenten legten ihre Positionen dar, es waren zumindest in meinen Augen große Übereinstimmungen zwischen linker Politik und SPD erkennbar. Doch genau hier muss ich einschneiden, denn es schwoll mir der Kamm: Frau Kraft erteilte der Linken trotz ihrer politischen Pläne (“Gemeinschaftsschule”, “Mindestlohn”, “keine Steuersenkungen”, “Kohlebergbau”, etc.) wieder eine klare Absage, Herr Rüttgers bezeichnete die Linke als “Extremisten”. Genauer, um’s auf der Zunge zergehen zu lassen: “undemokratische Extremisten”. Meine Kinnlade fiel aus vielerlei Gründen zu Boden.

Vielerlei Gründe in diesem Beitrag zu lesen. Sollte man vor der Abgabe des Stimmzettels in Nordrhein-Westfalen wirklich lesen.
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Apfelhass: Warum Apple nicht.

April 11, 2010 · Posted in think-strange.de · 11 Comments 

Wisst ihr, was ich in der Berner Innenstadt nicht gesehen habe? Einen AppleStore. Es wird dort wohl einen geben (denn es wäre es kleines Wunder, wenn nicht), aber er reiht sich nicht in die vielen vielen Geschäfte der Kramgasse ein. Überhaupt war die Menge an Produkten von Apple sehr überschaubar und bis auf ein paar wenige iPhones im Stadtbild nicht vertreten. Von selbst importierten iPads keine Spur – und die Schweiz wurde mir noch sympathischer.

Es ist nicht so, dass ich Apples Erfolgskonzept in Frage stellen könnte, zumindest in den USA ist es das Prestigeunternehmen #1. Es begann mit dem iPod, der nicht mehr konnte als ein gewöhnlicher .mp3-Player (in “Shuffle” aber weniger!), dafür aber nette weiße Kopfhörer hatte. Verpackt in eine trendy Werbekampagne waren sehr schnell Erfolge des Marketing zu vermelden. Selbstverständlich gab es auch zuvor schon Erfolgsprodkute, der eigentliche Hype des 21. Jahrhunderts um Apple begann aber wohl erst mit dem iPod. Gefolgt von iPhone und iPad, technische Spielereien zum Mitschleppen.

Nun ist es ebenfalls nicht so, dass ich dem iPhone einen gewissen Charme absprechen könnte und auch das iPad wird, zumindest wenn die öffentliche Beta-Phase zu Ende ist, vermutlich zu einem absoluten Knaller werden — und doch findet sich in meiner näheren Umgebung kein einziges Produkt von Apple. Kein fancy Mac, kein Phone, kein Pad. Ich stelle mir selbst die Frage, warum eigentlich nicht, denn zumindest das Phone ist nicht mehr drastisch teurer als die Konkurrenz und hat dafür viele Fähigkeiten, Spielereien, Apps, welche einem das Leben sicherlich erleichtern. Es hat nur einen Makel: Es ist von Apple.

“Nein, man kann seinen iPod nicht ohne iTunes nutzen.”

Vor geraumer Zeit war Microsoft die Personifikation des puren Bösen. Jener Trend hielt wohl selbst bis Vista an, doch zumindest seit Windows7 hat das Redmonder Unternehmen stark am Image gefeilt und poliert. Das Betriebssystem (resp. die Firma) bietet zwar noch immer nicht die vollumfängliche Kontrolle, wie sie jede Linux-Distribution schon seit Jahren implementiert hat, ist im Vergleich zu Apple allerdings die Sandbox unter den IT-Firmen: Windows überlässt mir seit jeher die Wahl meiner Software. Apple tut dies nicht, tat es aber auch nie, begonnen bei den Heimrechnern. Mit Eigen-OS und Eigen-Software grenzte man sich von Beginn an von der Konkurrenz ab und was zunächst wie ein schlauer Zug aussah, ist heute pervertiert bis ins Abnorme.

Ins Abnorme, sag ich! Warum Apple nicht könnt ihr hier.
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Moderne Philosophie des Karl Marx

March 27, 2010 · Posted in think-strange.de, welt-sicht.de · Comment 

Die Technik macht’s möglich, dass mir vor einer guten Stunde eine URL unter die Augen kam, hinter welcher sich eine Audioaufzeichnung des philosophischen Radios von WDR5 verbarg. Wenn ihr eine Stunde an diesem Wochenende Zeit habt, dann lauscht dem doch einfach mal. Hier so.

Das philosophische Radio über Karl Marx mit Michael Krätke (Sendung vom 26.03.10) on Huffduffer

Inhalt: Alles über das Werk des noch immer viel zu unbekannten Philosophen und Sozialtheoretiker Karl Marx. Als “moderner Autor” erkannte Marx schon vor über 150 Jahren, dass es zu dem heutigen Kapitalismus kommen würde, mit all seinen realen Krisen. Er erkannte auch, dass dieses System sich am Ende selbst vernichten wird. Es ist uns möglich, den Kapitalismus als “Religion” zu überwinden; wenn wir es nicht tun… who knows. Es ist eben ein Merkmal des Systems, dass es ein absurdes Eigenleben zu entwickeln scheint. Schwieriges Thema, aber sehr gut und anschaulich erklärt.

Die Aktualität seiner Thesen ist (und ich meine dieses Wort so, wie ich es schreibe) bemerkenswert, sind sie doch nichts anderes als eine exakte Beschreibung dessen, wie die Welt heute funktioniert und warum der Kapitalismus auf Lange sicht gesehen scheitern wird. Es bleibt mir nur die Frage, warum Marx nicht längst zur Pflichtlektüre für alle Menschen geworden ist? Wenigstens für alle, die mit “dem Kapital” in Verbindung kommen? Hier, zwei Bücher!

So einfach ist das, denn wir sind alle nur Rädchen in einem System, das wir weder verstehen, noch kontrollieren können. Not one bit.

Und ein Dank an @korbinian.

Kopfpauschale: Herr Rösler, noch einmal nachrechnen, bitte.

March 15, 2010 · Posted in think-strange.de, welt-sicht.de · 3 Comments 

Soeben zwitscherte mir eine Informantin einen Bericht aus dem Kölner Stadtanzeiger mit dem Titel “Rösler will Mini-Kopfpauschale“. Während die gemeine Kopfpauschale (praetium caputis vulgaris) vom Volk höchst kritisch beäugt wird, entdeckt unser liberaler Gesundheitsminister eine neue Spezies, praetium caputis minimalis. Was hat es damit auf sich?

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will nach Presseinformationen für die gesetzliche Krankenversicherung 2011 eine Gesundheitsprämie in Höhe von voraussichtlich 29 Euro im Monat einführen. Diese Kopfpauschale müsste von jedem Versicherten neben den Beiträgen gezahlt werden, wie die in Potsdam erscheinende Zeitung “Märkische Allgemeine” berichtet.

Um die Bürger auch zu entlasten, will Rösler den 2005 eingeführten Zusatzbeitrag der Arbeitnehmer in Höhe von 0,9 Prozent streichen. Die Beiträge für die Krankenkassen würden dann wieder paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanziert.

Sehr geehrter Herr Rösler,

ich vermute, dass die Teile ihres Denkens, die sie zu einem guten Arzt machen, sie gleichzeitig zu einem schlechten Kopfrechner machen. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich in einem solch kurzen Textabschnitt solch gravierende Mängel finden. Beginnen möchte ich dabei mit dem Wort “paritätisch”, welches in seinem Wortsinn “gleichgestellt” bedeutet. Vor einigen Jahren noch war die Finanzierung der Krankenkassen so, wie Sie sie beschreiben: Arbeitgeber und Arbeitnehmer hatten die gleichen Kosten zu tragen. Heute ist das nicht mehr so, seit 2005 bezahlt der Arbeitnehmer 0,9% mehr.

Es ist vollkommen korrekt, dass eine Streichung dieser 0,9% zum alten Zustand zurückführt; es ist jedoch falsch, dies zu behaupten, wenn man im gleichen Atemzug von “monatlich 29 Euro” spricht. Vielleicht war es aber nicht Ihr Fehler, sondern der der Tageszeitung. Dennoch möchte ich noch einen Schritt weiter gehen und Ihnen klassisch-neoliberale Politik vorwerfen. Verfolgt man Ihren Gedankengang weiter, so stellt sich die Frage, wer davon profitiert und wer dabei verliert. Es drängt sich die Frage auf:

“Wann sind 0,9% mehr oder weniger als 29 Euro vom Bruttogehalt?”

Ich verrate es Ihnen (und allen anderen): Wer mehr als ~2.900 Eur brutto verdient, wird entlastet, wer weniger als diese Summe verdient, muss mehr bezahlen — und die Arbeitgeber werden wiedereinmal außen vor gelassen. Könnte man dies polemischer ausdrücken? Sicherlich: Sie und die FDP bevorteilen Gut- und Besserverdiener und wälzen die Last auf Niedrigverdiener ab. Gewagte Worte, ja das stimmt, doch vielleicht hilft es, wenn man sich den Durchschnittsverdienst der Menschen in Deutschland einmal genauer anschaut.

Unabhängig davon, wo man sich gerade befindet, liegt dieser Durchschnittslohn (nach obiger Seite) zwischen 30.000 Eur (Hamburg) und 20.000 Eur (Mecklenburg-Vorpommern) brutto im Jahr. Mittels einfacher Grundrechenarten landet man also bei ~2.500 Eur brutto in Hamburg und bei ~1.667 Eur brutto in Meck-Pom. Diese Zahlen sind auf den gesamten Arbeitsmarkt bezogen, nimmt man nur die Vollzeitbeschäftigten (dafür bundesweit), so kommt man auf ~3.100 Eur brutto. Rein statistisch bezahlt aber jeder “Durchschnittsbürger” (der eben nicht unbedingt eine volle Stelle hat) mit Ihren vorgeschlagenen 29 Eur mehr als bei den vorherigen 0.9%. Von einer “Entlastung” kann bestenfalls für Vollzeitarbeitnehmer eine Rede sein. Wie wir aber alle wissen, sind Statistiken nur Zahlenspielereien; vielleicht sollte man daher eher auf die absoluten Einkünfte der Bürger schauen.

“Was erlaube Rösler?” — eine einfache Lektion, wie man Geringverdiener zur Kasse bittet und dabei seine Klientel bedient. Selbst du, lieber Leser, wirst danach die liberale Gesundheitspolitik in Frage stellen. Garantiert.
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Der Blick über den Teich: Obamas Sammelsurium zu 2010.

February 8, 2010 · Posted in think-strange.de, welt-sicht.de · 1 Comment 
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Die ersten 100 Tage der neuen deutschen Regierung werden mehrheitlich als Fehlschlag gesehen; dementsprechend sind die Reaktionen der Politiker. Eigentlich war’s im Wahlkampf schon erkennbar: Große Wunder wird keine Partei vollbringen. Doch insgeheim sehnt sich der Deutsche nach charismatischen, überzeugenden Politikern — so wie Obama einst. Er wurde umjubelt, als Retter der Nation gefeiert. Mehr als ein Jahr nach seinem Amtsantritt muss man leider sagen, dass vom ehemaligen Glanz nicht mehr viel übrig ist. Vielleicht ließe sich auch ein spöttisches “Wir schaffen in 100 Tagen, wofür Obama ein Jahr brauchte” einwerfen.

Während die deutsche Politik allerdings im Nebel stochert, gibt’s in den USA konkretere Vorstellungen davon, wie das Jahr 2010 zu gestalten sei. Lohnt ein Blick über den Teich? about.com hat eine Übersicht darüber erstellt, welche Ideen und Ziele Barack Obama für 2010 verfolgt. Es wäre eine Schande, diese unkommentiert zu lassen. Sehen wir, was er zum State of the Union vom 27. Januar so meint.

The Economy

  • “A fee on the biggest banks” who “can afford a modest fee to pay back the taxpayers who rescued them in their time of need.”
  • “Extended or increased unemployment benefits for more than 18 million Americans.”
  • “Made health insurance 65 percent cheaper for families who get their coverage through COBRA.”

Die Banken werden in die Verantwortung gezogen, eine Hilfe für 18 Mio arbeitslose Amerikaner und eine günstigere Krankenversicherung für manche. Mit anderen Worten: Das Gegenteil von dem, was man bei uns versucht: Die Banken sind nicht verpflichtet, Gelder zurückzuzahlen, Hartz IV bekommt bestenfalls einen neuen Namen und Zusatzbeiträge und Kopfpauschale für die Krankenkassen. Gut, es gab diese Kindergelderhöhung, welche aber eher als Geste des guten Willens zu verstehen ist. Wie erfolgreich wer sein wird, wird sich erst im nächsten Jahr beurteilen lassen. Stellen wir uns lieber die Frage: Was ist der größte Nachteil der amerikanischen Politik?

Sie kostet. Geld, das weder die USA noch wir besitzen. Wie sieht also die Finanzierung aus?

Jetzt: Der US-Haushalt für das Jahr 2010 in allen Einzelheiten, kritisch kommentiert. Mit Wirtschafts- und Steuerpolitik, Militär, Bildung, Wachstum und einigen wenigen Ideen, die Hoffnung machen. “Start frei für’s zweite Jahr, Herr Präsident.”
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Haiti: Und die Welt schaut zu.

January 18, 2010 · Posted in think-strange.de, welt-sicht.de · 3 Comments 

Die morbide Überleitung zwischen Zombies und Haiti, einem Ursprungsorte des Voodoo-Glaubens, würde ich mir gerne sparen, denn eigentlich ist das Thema ein sehr ernstes. Weiterhin möchte ich versuchen, die Floskel “das Armenhaus der Welt” nicht wie die Boulevardpresse zu verschlagworten — obwohl gerade Haiti dafür sorgen sollte, dass die erste Welt aufhört, ihre Augen vor Leid und Armut zu verschließen. Wäre es doch nur so einfach.

Katastrophale Presse
Kein Thema findet sich in der Presse so breitgetreten wie das durch Katastrophen verursachte Leid von Menschen. Wann immer auf der Welt Naturkatastrophen ganze Länder verwüsten, wuseln sich Nachrichtensprecher und -redakteure, schreibendes und sprechendes Volk zusammen, um möglichst die spektakulärsten Bilder liefern zu können: Grauen frei Haus. Während diese Art der Berichterstattung mit Sicherheit viele Menschen sensibilisiert, empathisiert und nicht zuletzt auch zur (finanziellen) Hilfe bewegt, zeigt sie doch auch immer wieder, dass der Mensch das einzige Tier ist, welches Sensationslust empfindet. Wie sonst könnte man es sich erklären, dass die BILD seit Tagen doppelseitige Aufmacher entwirft.

Gerade Haiti, vielerorts als gescheiterter Staat diskutiert, könnte aber ein wenig mehr Respekt verdienen. Seit Jahren hungern dort verarmte Menschen, ohne dass die westliche Welt sich dafür besonders interessiert hätte. Jetzt, im Katastrophenfall, gibt es kein Halten mehr: “Jeder möchte helfen, keiner sieht mehr weg.” — wenn doch nur. Obwohl die Bundesregierung ihre Hilfe mittlerweile auf 7,5 Millionen Eur erhöht hat, fing auch dieses Desaster mit einem anderen Desaster an: Deutschland, heldenhaft wie eh und je, stellte am Tag nach dem Beben eine Soforthilfe von 1,5 Millionen Euro zur Verfügung.

1,5 Millionen Euro, das ist ja schon eine Menge Holz. Jedoch befinden wir uns gerade in einer eigenen Krise und es stellt sich die Frage, wer denn heute überhaupt in solch kleinen Zahlen denkt. Letztes Beispiel: Hypo Group Alpe Adria, 3 Milliarden “an einem Tag”. Haiti bekam von dieser Summe zunächst 1/2000. Ein Zweitausendstel. Brad Pitt und Angelina Jolie spendeten ebenfalls früh und großzügig, gemeinsam eine Million US$, quasi eine fast mit Deutschland vergleichbare Summe. Wie ich mich für mein Land schämen kann, ich hätte es nie gedacht.

Katastrophenjournalismus auch in diesem Blog. Welche Rolle spielt eigentlich Amerika? Lässt sich doch herausfinden mit einem Klick auf…
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