#WM2010: “Geil, aber.”

Wie drücke ich es am besten aus. “Woohoo, es ist WM!” — ich bin tief gesunken. Und doch macht’s mir Spaß: Die letzte WM -wir erinnern uns- wurde mehrheitlich sehr begeistert aufgenommen. Public Viewing, das ganze Land ist in guter Stimmung, jeder mag jeden. Ein interkultureller Höhepunkt in der jüngsten deutschen Geschichte, insgesamt betrachtet, ist vielleicht nicht übertrieben. So etwas steckt sogar mich an.
2010 hat Südafrika die Ehre, die Weltmeisterschaft auszutragen, was in großen Teilen des Landes, ähnlich wie in Deutschland 2006, begrüßt wird. Soeben lief das erste Spiel, Südafrika “gewann” gegen Mexiko 1:1: Jeder Sieg ist ihnen zu gönnen. Denn das Turnier weckt Hoffnungen, für Afrika, den Kontinent und seine Menschen. Selbst die semi-offiziellen Lieder sind fein, ob nun Shakira oder K’naan. Kurz: Die WM 2010 scheint, wiedereinmal, ein großartiger Erfolg zu werden.
Eigentliche mache ich alle vier Jahre nur eine Ausnahme, denn Fußball finde ich in höchstem Maße uninteressant. Ich verstehe den Fan-Kult um die Mannschaften nicht, ich verstehe die hohen Gehälter nicht, ich verstehe nicht, welcher Pokal aus welchem Grund erhaltenswert ist. Und so viel Spaß mir die WM auch dieses Jahr wieder macht, so muss ich, wie üblich, Kritik üben. Weniger am Event an sich, als um einige Dinge, die in seinem Namen geschehen.
“Und was, bitte?” – “Kapitalismus.” – “Och neeeee.” – “Oh wohl!”
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Ideen für eine bessere Welt: Einhundert Milliarden Dollar!
Erinnert ihr euch noch daran, als wir uns darüber aufregten, dass die KfW 550 Millionen Euro in den Sand gesetzt hatte? Peanuts! Ich habs doch immer gesagt! Neues auf den USA: AIG, einer der größten Versicherer der Welt, hat es im vierten Quartal 2008 geschafft, einen Verlust von 61,7 Milliarden Dollar zu bilanzieren. Das ist, wenn ich nicht ganz falsch liege, ein neuer Rekord. Der Gesamtverlust 2008 lag bei fast 100 Milliarden US$. 100.000.000.000 USD! Obwohl der Versicherer schon Finanzspritzen der USA in Höhe von mehrstelligen Milliardenbeträgen bekam!
Die direkte Folge dieser Nachricht: Der Dow Jones fällt auf einen Stand, so schlecht wie zuletzt vor 12 Jahren, der DAX fällt 6 Jahre zurück. Und das alles ist doch erst der Anfang, die Wirtschaftskrise hat doch 2009 erst richtig Talfahrts-Geschwindigkeit zugelegt! Am 30. Mai ist der Weltuntergang… – oder so.
Einhundert Milliarden Euro. Diese Zahl muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, so formvollendet. Selbst in heimischer Währung -80 Milliarden Euro- klingt sie wie Musik in meinen Ohren. Der Durchschnittsmensch kann sich solche Summen eigentlich nicht vorstellen, genauso wenig, wie wir verstehen, was ein solches Unternehmen damit machen könnte. Aber ich kann es versuchen.
Die Summe reicht zum Beispiel aus, um jedem einzelnen Menschen auf der Welt etwa 15$ zuzuweisen. Sie würde ausreichen, um (bei einem vermutlich zu niedrig geschätzten Preis von 2.000 $ für einen Brunnen in Afrika, der wiederum vielleicht 50 Menschen versorgt) insgesamt Fünfzig Millionen Brunnen in Afrika zu bauen. Das hätte in meinem fiktiven Beispiel das Überleben von 2.500.000.000 Menschen in Wassermangelgebieten gesichert. Nein, das kann nicht sein, da muss ein Fehler sein…
Ok, sagen wir, wir brauchen 10.000 USD, um 4 Menschen in Entwicklungsländern Zugang zu Wasser und Grundnahrungsmitteln zu gewähren. Das sind dann -ich werfe schnell den Taschenkopfrechner an- schon gleich nur noch 40.000.000 Menschen, klingt doch gleich viel realistischer. Vierzig Millionen Menschen. Puh.
Du willst mehr deprimierende erheiternde nachdenkliche Ideen lesen, was man mit solchen Summen tun könnte? Viel mehr? Lies weiter!
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