Der Blick über den Teich: Obamas Sammelsurium zu 2010.
Die ersten 100 Tage der neuen deutschen Regierung werden mehrheitlich als Fehlschlag gesehen; dementsprechend sind die Reaktionen der Politiker. Eigentlich war’s im Wahlkampf schon erkennbar: Große Wunder wird keine Partei vollbringen. Doch insgeheim sehnt sich der Deutsche nach charismatischen, überzeugenden Politikern — so wie Obama einst. Er wurde umjubelt, als Retter der Nation gefeiert. Mehr als ein Jahr nach seinem Amtsantritt muss man leider sagen, dass vom ehemaligen Glanz nicht mehr viel übrig ist. Vielleicht ließe sich auch ein spöttisches “Wir schaffen in 100 Tagen, wofür Obama ein Jahr brauchte” einwerfen.
Während die deutsche Politik allerdings im Nebel stochert, gibt’s in den USA konkretere Vorstellungen davon, wie das Jahr 2010 zu gestalten sei. Lohnt ein Blick über den Teich? about.com hat eine Übersicht darüber erstellt, welche Ideen und Ziele Barack Obama für 2010 verfolgt. Es wäre eine Schande, diese unkommentiert zu lassen. Sehen wir, was er zum State of the Union vom 27. Januar so meint.
The Economy
- “A fee on the biggest banks” who “can afford a modest fee to pay back the taxpayers who rescued them in their time of need.”
- “Extended or increased unemployment benefits for more than 18 million Americans.”
- “Made health insurance 65 percent cheaper for families who get their coverage through COBRA.”
Die Banken werden in die Verantwortung gezogen, eine Hilfe für 18 Mio arbeitslose Amerikaner und eine günstigere Krankenversicherung für manche. Mit anderen Worten: Das Gegenteil von dem, was man bei uns versucht: Die Banken sind nicht verpflichtet, Gelder zurückzuzahlen, Hartz IV bekommt bestenfalls einen neuen Namen und Zusatzbeiträge und Kopfpauschale für die Krankenkassen. Gut, es gab diese Kindergelderhöhung, welche aber eher als Geste des guten Willens zu verstehen ist. Wie erfolgreich wer sein wird, wird sich erst im nächsten Jahr beurteilen lassen. Stellen wir uns lieber die Frage: Was ist der größte Nachteil der amerikanischen Politik?
Sie kostet. Geld, das weder die USA noch wir besitzen. Wie sieht also die Finanzierung aus?
Jetzt: Der US-Haushalt für das Jahr 2010 in allen Einzelheiten, kritisch kommentiert. Mit Wirtschafts- und Steuerpolitik, Militär, Bildung, Wachstum und einigen wenigen Ideen, die Hoffnung machen. “Start frei für’s zweite Jahr, Herr Präsident.”
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Frostige Politik: Datenhandel, Politbarometer, Afghanistan und mehr.
Es ist, wie man nach einem Blick durch’s vereiste Fenster unschwer erkennen kann, Winter in Deutschland. Ein echter Winter, der die Presselandschaft mit Hysterie bedeckt: “Winter bis April?” titelt so manche Tageszeitung, eine Vermutung, der ich mich nicht anschließen werde. Bleiben wir bei den Fakten: Es ist wirklich frostig, Schnee und Eis legen in weiten Teilen Deutschlands Züge und Busse lahm, seit heute auch in Saarbrücken. Was für mich als Student in der letzten Vorlesungswoche wahrlich nicht von Vorteil ist, überlege ich mir doch schon, wie ich morgen zur Universität gelangen soll. Selbst wenn die Züge fahren (und nicht wieder katastrophaler Desorganisation zum Opfer fallen) — die Busse und ihre Fahrpläne bleiben unsicher. Wisst ihr, was der große Vorteil eines solchen Winters ist?
Er lenkt von der Politik ab. Überhaupt scheinen in letzter Zeit viele vorgeschobene Themen nur genau diesem Zweck zu dienen. Gab’s selbstverständlich früher auch schon, selten jedoch so offensichtlich. Manche Themen lassen sich aber selbst vom schlechten Wetter nicht verdecken.
“Brisante Informationen! Heiße brisante Informationen!”
Ich habe diese Sache mit dem Kauf einer CD mit potentiellen Steuersündern darauf nur beiläufig verfolgt. Wie es aussieht, ist jemand im Besitz einiger Datensätze einer Schweizer Bank, welche er dort wohl entwendet hat, um sie gewinnbringend an den deutschen Staat zu verkaufen. Was zunächst wie ein kongenialer Coup klingt, entpuppt sich schon beim zweiten Blick als schwierige Situation, nicht zuletzt aus juristischer Sicht.
Es ist doch so: Wenn die Daten gestohlen wurden, dann ist die CD Hehlerware. Man darf damit nicht handeln und man darf diese auch nicht kaufen, denn Hehlerei ist strafbar. Sprich also: Ist der Staat rein rechtlich auf einer sicheren Seite, wenn er sich auf den Deal einlässt? Sagen wir einfach, die Informationen seien legal erworben worden, dann ist das Problem jedoch an anderer Stelle zu suchen: Man könnte den Handel als Erpressung bezeichnen. Wieso? Nun, der Staat hat selbstverständlich ein Interesse daran, Steuerhinterziehung aufzuklären. Die Bedingung also, die benötigten Informationen dazu nur gegen Bargeld zu veröffentlichen, scheint mir sehr dubios.
Innenminister de Maizière zog dafür einen Vergleich heran: Der Handel sei legitim. Er unterscheide sich nicht wesentlich davon, wenn “der Staat” eine Belohnung für bestimmte Informationen aussetze. Ich sehe das nicht so; um genau zu sein existiert ein gewaltiger Unterschied: In de Maizières Fall hat der Staat keine Informationen (und auch keine Möglichkeiten, bestimmte Informationen zu beschaffen) und er bietet demjenigen, der ihm helfen kann, eine Belohnung (in Bargeldform) an. Übertragen auf den aktuellen Fall hieße das jedoch, dass der Staat zuerst die CD hätte haben wollen und danach eine Belohnung bezahlt würde — das ist nicht der Fall, des Innenministers Vergleich hinkt.
Sehr langer, kritischer Beitrag. Wer mit der Regierung unzufrieden ist, der sollte unbedingt weiterlesen; wer nur nicht ganz zufrieden ist… auch. Und Befürworter ohnehin! Themen: Beliebtheit von Politikern (nach dem ZDF Politbarometer), ein Krieg in Afghanistan und Regierungsversagen auf breiter Linie. Widerlegt mich, wenn ihr es nach der Lektüre noch wollt.
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Terrorgefahr 2010: Fear, Uncertainty and Doubt, Part II.
Wenn es ein Thema gab, welches das erste Jahrzehnt des zweiten Jahrtausends dominierte, so ist es bis dato mit Sicherheit das, welches wir Terrorismus nennen. Ohne Zweifel (oder vielleicht nicht ganz ohne solche) gab es in den letzten Jahren einige Ereignisse, welche unsere Ängste schürten, vom Angriff auf die USA über London und Madrid bis hin zu den jüngsten Ereignissen in Pakistan. Der internationale Terrorismus scheint auf dem Vormarsch und die westlichen Länder tun alles, um die Gefahr vermeintlich zu verringern. Dabei gibt es jedoch eine Sache, der fast jeder sicherheitsbewusste Bürger zustimmt: “Wer einen terroristischen Anschlag durchführen möchte, dem wird dies auch gelingen.”
Das sind harte Worte, welche einer genaueren Betrachtung bedürfen. Obwohl es natürlich früher schon Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen gab, zeigte die Zerstörung des World Trade Centers jedoch, wie ungenügend diese zum damaligen Zeitpunkt waren. Jetzt, 10 Jahre danach, sollte man der Meinung sein, dass sich vieles geändert hat — und in der Tat, das hat es. Wie ich bereits im ersten Teil erwähnte, bleibt das Sicherheitsgefühl noch immer aus. Mehr noch: Alle bisherigen Maßnahmen scheinen mit jedem Tag, der vergeht, weniger hilfreich zu sein. Es hilft wie so oft ein Blick auf die jüngsten Ereignisse und Nachrichten.
Flughafenpanik #1
Da wäre zum einen das Desaster an einem bekannten Flughafen in Deutschland, bei welchem ein “Verdächtiger” einfach sein Tagewerk verrichten konnte. Eine Kurzfassung davon für alle Nichteingeweihten: Ein Mann am Münchner Flughafen kommt in eine Kontrolle, sein Laptop wird als verdächtig eingestuft. Während die Kontrolle noch nicht beendet ist, nimmt er seinen Mantel und Laptop (oder den auch nicht) und verlässt den Ort des Geschehens. Es vergehen einige Minuten, bis es überhaupt jemandem auffällt, es starten verschiedene Passagiermaschinen. Der Flughafen wird daraufhin mit Verzögerung gesperrt, Flüge werden delayed, überhaupt herrscht große Sorge. Der Mann indes ist sich keiner Schuld bewusst, tut das, was allen Passagieren angewiesen wird. Wieder ein wenig später wird er ein zweites Mal kontrolliert, dieses Mal ohne Verdachtsmomente, er besteigt sein Flugzeug und zieht von dannen.
Was ist davon zu halten? Sind wir ehrlich: Hätte der Mann einen Anschlag vollführen wollen, es wäre ihm ein Leichtes gewesen. Stellt sich die nächste Frage: Hätte man es denn verhindern können? Respektive: Hätten die ominösen Körperscanner es verhindern können? Hätte mehr Kameraüberwachung Erfolg gebracht? Gerade bei den Kameras ist’s genau das, was ich seit Jahren sage: Sie verhindern nicht, sie helfen nur bei der Klärung. Dank Kameras wissen wir, was der Mann alles tat, wissen wir, wie er sich verhielt. Mehr aber auch nicht.
Noch ne schöne Flughafenstory? Noch mehr von Überwachung und Antiterrork(r)ampf? Lies mich!
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Universität 09/10: “Diplome! Frische, heiße Diplome! Nazis! Blöde Nazis!”
In genau 2 Wochen und einem Tag schreibe ich meine erste und letzte Klausur für dieses Semester. Es wäre daher Zeit, ein Fazit zu ziehen, was jedoch nicht geschehen wird. Nicht so echt. Das Bachelorstudium der Germanistik und der Philosophie meinte es wohlwollend mit mir, das Zeitmanagement bedarf weiterer Verbesserungen. Bestimmt seid ihr sehr neugierig, welche Inhalte man denn so vermittelt bekommt. Deshalb:
Eine Stichwortliste mit den Basics und Einführungen
Syntax, Morphologie, Phonologie, Gattungslehre, Lyrik, Editionstechnik, Epochen der Literatur, Mediävistik, Volksetymologie, Techniken wissenschaftlichen Arbeitens, Moralphilosophie, Mitleidsethik, Staatsphilosophie, Utilitarismus. Und so. Im zweiten Semester geht’s weiter mit den Einführungen und spannendem neuen Unsinn. Was genau dort folgt, weiß ich selbst noch nicht. Genau das ist der Grund für mein Schreiben: Ich raste hier gleich völlig aus.
Dank der neuen Studienordnung benötigen die meisten meiner Vorlesungen und Proseminare eine Voranmeldung, eigentlich recht bequem online zu erledigen. Wenn denn das Vorlesungsverzeichnis vollständig wäre. Nicht nur, dass einige meiner benötigten Kurse noch nicht eingetragen sind, nein, die Veranstaltungen, die ich schon belegen kann, liegen unglaublich unglücklich. Bisher sind’s 5 Vorlesungen in 4 Tagen -- und viel mehr weiß man nicht. Lediglich, dass meine gern gemochte Philosophieveranstaltung “Einführung in die Philosophie des Geistes” bei dem eventuell-ein-wenig-legendären Prof. Dr. Heinz-Dieter Heckmann, welche ich zudem auch im kommenden Semester bewältigen sollte, mit einer meiner Germanistikvorlesungen kollidiert. Großartig, wenn einem schon im zweiten Semester das “Du musst den Bachelor aber in 6 Semester machen!” aus dem Kopf geprügelt wird, weil die Studienkoordination anscheinend dermaßen dämlich ist. Unfasslich.
Und genau in jenem Moment, in dem ich ebendiese Geschichte erzähle, erscheint eine bewusstseinserweiternde Nachricht in Skype:
diplomas_here: Degree in any field.
GET YOUR DIPLOMA TODAY!If you are looking for a fast and effective way to get a diploma,(non accredited) this is the best way out for you. Provide us with degree you are interested in. Call us right now on: +13122607939 “Just leave your NAME & PHONE NO. (with CountryCode)” in the voicemail.
Our staff will get back to you in next few days!< <<
Genau! Scheiß auf den Bachelor, ich kauf mir ein Diplom! Wobei ich nicht glaube, dass das so erlaubt ist.
Oh, a propos Stichwort: Erlaubt!
Wie mancher von euch sicher weiß, findet am 13. Februar im Dresden eine Demonstration von Nazis statt. Eine Demonstration, die anderswo als größter Naziaufmarsch Europas bezeichnet wird. Nazis, ihr erinnert euch, dieses braune Gesocks, das riecht wie Erbrochenes und auch so aussieht. Wie ihr ebenso wisst, weil es durch alle Medien ging, soll an jenem Tag auch eine Gegendemonstration stattfinden. Ihr wisst: So ganz in Ordnung ist das nicht. Manche reden von einer Ordnungswidrigkeit, andere von einer Straftat. Warum das so ist – darüber werden die wildesten Geschichten erzählt. Soweit ich es überblicke, darf man die Nazis nicht an ihrer eigenen Demo hindern, weil… keine Ahnung, Pluralismusdemokratie oderso. Und genau darum geht es:
+++ auf gar keinen Fall eine warnende WERBUNG nicht +++
Liebe Leute, ihr müsst auf gar keinen Fall am 13. Februar nicht nach Dresden fahren. Ihr dürft euch unter keinen Umständen nicht auf den Boden setzen und die netten Neonazis nicht blockieren. Ihr dürft dies auch absolut niemals nicht mit Stühlen tun. Weiterhin ist es strengstens untersagt, euren Freunden nicht davon zu erzählen und Plakate oder Aufkleber nicht zu verteilen. Ebenso ist es inakzeptabel, wenn ihr euch nicht um Fahrgemeinschaften bemüht, welche euch nie nicht zum Beispiel von Saarbrücken aus nach Dresden bringen. Und die Nazis nicht verachten und nicht bespucken, das sei euch auch verboten!
Und prominente Unterstützung wird’s sowieso nicht fernbleiben — damit das klar ist!
+++ auf gar keinen Fall eine warnende WERBUNG nicht +++

Presseecho.
Damit wäre auch das geklärt. Denn, unter uns und ganz ernsthaft, Nazis gehn mal garnich. Ich würde sagen: Jetzt ist erstmal Wochenende. Ich verabschiede mich für heute mit Musik für die Revolution der guten Laune. Haunse.
“Irie Révoltés -- “Rebelles”.
Paroles en français, s’il vous plait.
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Gesucht: die Bundeskanzlerin.
Bei jeder sich mir bietenden Gelegenheit bashe ich gerne die Regierung, insbesondere da sie es mir oft wirklich leicht macht. Frau Merkel ist dabei, merkwürdigerweise, eine Randerscheinung; sie ist zwar eine Person der Öffentlichkeit, wächst aber bekanntlich in ihre Rolle noch hinein und ist daher in ihrer Qualität als Staatsoberhaupt (Jaja, ich weiß!) vielleicht noch nicht auf dem Höhepunkt angelangt. Wir alle aber gaben ihr immer eine Chance, “vielleicht macht sie ihre Sache ja gut” war ein oft gehörter Satz. Selbst unter meinem kritischen Blick hat sie 2009 eigentlich gut überstanden, was ein echtes Kunststück war. Jetzt ist 2010, jetzt ist nach der Wahl — und Frau Merkel macht sich rar. Sehr rar.
Schriebe ich nun etwas wie: “Wo steckt eigentlich die Kanzlerin? Seit der Neujahrsansprache hat man von ihr nichts gehört!”, so würfen mir Kritiker die übliche Polemik vor. Mit gutem Grund. Ist ja auch abwegig. Immerhin klingt das bei den echten Medien in diesem Land ganz anders!
- Spiegel Online: “Schwarz-gelber Rumpelstart: Krisengipfel soll Merkels Chaos-Team zähmen“
- Spiegel Online: “Merkels Stolperstart: Scheinriesin zwischen Kampfzwergen“
- RP Online: “Merkel verliert deutlich an Zustimmung“
- sueddeutsche.de: “Regierungsstik der Kanzlerin: Dr. Merkels gesammeltes Schweigen“
- taz.de: “Merkel muss jetzt endlich sagen, was sie will: Merkels gesammeltes Schweigen“
- Welt Online: “Deutschland braucht Merkel dringender denn je“
- Welt Online: “Die Methode Merkel zieht nicht mehr“
- Zeit Online: “Wo ist die Kanzlerin?“
Nun, ich sehe, die Fachpresse stimmt mir zu. Lies: “Wo steckt eigentlich die Kanzlerin, verdammtnochmal‽”
Sehr unwichtige Polemik auch in weiteren wenigen Worten. Wo? Hier.
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Irie Revoltes – Zeit ist Geld: Der Song zu Bildungsstreik und Finanzkrise
Obwohl wir uns selbst nach dem aSakianischen Kalender* mitten im Winter befinden, heißt das nicht, dass man sich nicht schon auf die wärmere Zeit im Jahr einstellen kann. Vor vier Monaten erschien besagtes Lied von Irie Revoltes, “Zeit ist Geld”, und ich frage mich ernsthaft, wie es mir so lange entgehen konnte. Und weil ich nicht auf dem aktuellsten Stand bin, seid ihr’s auch nicht und werdet quasi zum Anhören gezwungen. So lasst euch zwingen —
Gibt’s selbstverständlich sozialistisch kostenlos, aber auch in einer kapitalistischen Variante. Damit könnte das Jahr dann nun eigentlich beginnen.
lyrics, plox.
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(r)Evolution: Wie die digitale Welt die reale hinter sich gelassen hat.

Vorweg: Wenn morgen das Christkind kommt, dann gibt’s bis zum Jahresende nur noch Erfreuliches. Ich weiß zwar nicht, wie sich das konkret darstellen wird, aber diese Tristesse am Jahresende ist beim besten Willen nicht zu ertragen. 2009 war nun wahrlich kein sehr frohes Jahr für mich und die deutsche Politik, vielleicht wird 2010 besser. Und darauf kann man sich einstimmen. Zuvor wird’s noch einmal ganz bitter, zwei verschiedene Handlungsstränge, die in einem zentralen Problem kumulieren. Und dieses Problem wird die Gesellschaft in einer Weise verändern, wie wir es uns nicht vorstellen können. Im Guten, wie im Schlechten und die negative Version des Szenario blenden wir gekonnt aus. Vorweihnachtliches Gesellschaftswunschträumen, sozusagen. Ok, ehm, los.
Es war einmal…
Die erste Szenerie beinhaltet einen sehr guten Freund von mir, welcher ein interessantes Timing an den Tag legte: Während es im schönen Saarland bei -15°C wirklich unterträglich war, befand er sich vier Tage mit seiner Freundin in Dublin, Irland. Nach seiner Rückkehr sprach er den folgenschweren Satz aus: “Jetzt, da ich das erlebt habe, weiß ich überhaupt nicht, was Menschen gegen den Überwachungsstaat haben.” — bitte wie? Er berichtete weiter von dem Vorteil, dass man sein Gepäck in einem vollen Doppeldeckerbus unbeaufsichtigt liegen lassen kann, etwas, das man in Deutschland mit gutem Grund niemals tun würde. Mh. Natürlich ist das, auf den ersten Blick, ein Vorteil. Sehen wir uns jedoch London an, dann ist dort die Kriminalitätsrate trotz der ständigen Überwachung nicht in hohem Maße gesunken. Und würden wir wirklich wollen, dass “der Überwachungsstaat” ständig über all meine Tätigkeiten bescheid weiß? Ist das nicht ein bisschen sehr Stasi? Darf man das sagen? Nächster Handlungsstrang.
Seit neulich besitze ich einen Account beim Monsternetzwerk facebook. Bei der Anmeldung schlug mir der Dienst in enger Kooperation mit Google vor, meine Kontakte doch zu importieren. Ich fand dabei einen alten Bekannten, den ich addete. Wenige Minuten später unterhielten wir uns per IRC darüber, wie eng vernetzt, überwacht und kontrolliere die Welt doch ist. Sind wir ehrlich: Jeder von uns hat bei mindestens einem Social Network einen Account mit mehr oder minder heiklen Informationen, oft frei zugänglich für die ganze Welt. Wir geben unsere Informationen unbedacht heraus, sind prinzipiell bereit zur Kommunikation und zahlen dafür einen hohen Preis. Damit verhalten wir uns eigentlich genau so, wie sich ein Überwachungsstaat das wünschen kann: Jede unserer Aktionen, unsere sozialen Beziehungen, alles ist frei verfügbar.
Wie bringen wir diese beiden Geschichten zusammen? Mit einer einfachen Frage: “Würde ‘der Staat’ ein soziales Netzwerk aufbauen, in dem man sich anmelden und seine Informationen preisgeben kann — würde man dies tun?” Wollt ihr die Antwort wissen und eine wunderbare Vision einer wirklich fortgeschrittenen und aufgeklärten Gesellschaft lesen? Ja? Nehmt euch ein paar Minuten Zeit, es wird ausführlich.
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“Warum die CDU doch nicht ganz unrecht hat”
Wie? Was schreibt der aSak da? CDU? Geht’s noch? Selbstverständlich. Es ging um Basisdemokratie, im letzten Beitrag, quasi ein Wunschthema. Ein guter Freund von mir beteiligte sich rege daran und sonst — fast niemand. Ganz basisdemokratisch wurde also dieses Thema gewählt; gleichzeitig bietet es mir die Möglichkeit, die Schwachstellen basisdemokratischer Systeme zu zeigen: 1) Sie sind anfällig für Manipulation. 2) Sie bringen selten stabile Mehrheiten zusammen. Was mitunter ein Grund dafür sein dürfte, dass die Basisdemokratie als Staatsform bisher selten zur Anwendung kam.
Ich könnte nun verschiedene nicht-so-sehr-demokratische Gedankenkonstrukte durchspielen, welche sowohl Vorteile der repräsentativen Demokratie, der Basisdemokratie als auch sonstiger Systeme in sich vereinen könnten — doch sind wir ja alle Demokraten. Wir wären es zumindest gerne. Das ist der Grund dafür, dass ich nur kurz zum Abschluss der Einleitung auf die Idee des Delegated Voting hinweisen möchte. Wäre zumindest ein Ansatz. Doch nun zu meinen Lieblingsparteien: Union und FDP.
Schon der letzte Satz ringt mir einiges ab, doch der “gesunde Pluralismus” sollte vor Weihnachten zumindest anklingen. Wie die soziale Kälte, welche gerade durch mein weit geöffnetes Fenster in dieses Zimmer Einzug hält. Sehen wir mal, wie viele gute Worte ich für unsere aktuelle Regierung finde. So schwer kann’s ja nicht sein.
Augen zu und durch! Wird ein langes Stück Text.
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VW 2010

Unerlaubt geborgt. Wird erlaubt, wenn der Urheber bekannt ist.
Dreieinhalb Wochen. ein Pamphlet.
So lange befindet sich das Kabinett Merkel II jetzt im Amt. Es wäre viel interessanter, wenn heute zufällig genau 4 Wochen vergangen wären, aber man kann ja nicht alles haben. Dreieinhalb Wochen schwarzgelbes Deutschland, gibt’s denn schon etwas vorzuweisen? Ich meine, irgendwas muss ja schon passiert sein. Zum Beispiel…
…die Besetzung deutscher Universitäten
Dass die Bildungspolitik der letzten Jahre in Deutschland verheerende Folgen haben würde, war mir schon bewusst; ich hätte dennoch nicht geglaubt, dass es so schnell gehen würde. Nehmen wir das Saarland oder besser: seine Universität in Saarbrücken. Der Musiksaal, Gebäude C5.1, ist vermutlich auch am Wochenende besetzt. Während Donnerstag und Freitag noch regulär Vorlesungen stattfanden, ist zumindest geplant, ab Montag auch den Unterrichtsbetrieb einzustellen. Leider dachte ich bisher nicht an Fotos, mea maxima culpa. Präsident der Universität des Saarlandes ist Volker Linneweber, der zumindest in der Philosophischen Fakultät unter den Studenten keinen besonders guten Ruf besitzt.
Warum besetzt man Universitäten, in Deutschland wie in Österreich? Nun, es geht –wie könnte es auch anders sein– um Studiengebühren, Lernbedingungen, Förderung von Studenten, G8, das Bachelor-Master-System und den Bologna-Prozess und viele weitere Dinge, die zusammen einen großen Haufen bilden. Lösungsvorschläge zu den angesprochenen Problemen gibt es wohl zu Genüge, doch scheint das Thema an der Bundesregierung noch völlig vorbeizugehen. Da, die Schavan zum Beispiel, die ich vor Kurzem noch nicht zu böse charakterisierte. Will mehr BAföG für die Studenten. Ist von allen Ideen wohl diejenige, die den Studenten noch am Wenigsten bringt, denn mehr Geld vom Staat bedeutet auch mehr Schulden beim Staat. Im Gegensatz zu diesem kalkulieren Normalbürger jedoch nur das Geld ein, das sie besitzen. Sonstige Lösungen – Fehlanzeige.
Als Konsequenz wird wohl auch die Kultusministerkonferenz im Dezember in Bonn bestreikt. Ob es hilft? Die Chancen sind erstaunlich gering. Es stellt sich die Frage: “Wie lange kann eine Regierung ein Problem aussitzen?” – wobei es doch im Interesse aller ist, kompetente und richtungsweisende Lösungen zu finden. Nur zu viel Zeit sollte man sich nicht mehr lassen…
Neues von der Zombiegrippe
…nein, lassen wir das. 100.000 Deutsche sollen schon infiziert sein, wir sind ein einziger Suchenherd! Schließt die Grenzen, Flughäfen und Häfen – shut – down – everything! Sonst ist’s zu spät! Ehm — verzeiht mir meine Panikattacken. Diese latenten Biester wird man einfach nicht los. Und da kann auch die Regierung nichts dran tun, denn der Impfstoff, den man vor der Grippesaison bekommt, ist erst nach der Grippesaison verfügbar. Nicht dass man sich dagegen impfen lassen sollte; die Letalität von H1N1 ist weit weniger dramatisch, als man das zunächst vermutete. Die Pointe:
Weil sich weit weniger Menschen als erwartet impfen lassen möchte, wird der Impfstoff früher oder später seinem Haltbarkeitsdatum erliegen. Da gehen sie hin, unsere Steuermilliarden. All diejenigen, welche die Hoffnung auf die Zombieepidemie noch nicht aufgegeben haben, werden weiterhin abwarten müssen. Ich möchte an dieser Stelle nocheinmal nachdrücklich die Referenz für die Zombieapokalyse verweisen, Max Brooks’ meisterlicher Zombie Survival Guide: “Überleben unter Untoten”. Der Renner für unter den Weihnachtsbaum. Und nun widmen wir uns lieber wieder der Realität.
Wirtschaftskritisches Allerlei.
Der Dauerbrenner seit mehr als einem Jahr. Man prognostiziert für 2010 mittlerweile eine Arbeitslosenquote von fast 10%, Kurz- und Leiharbeit soll ausgeweitet werden. Ist für die Firmen in der Krise natürlich günstiger und würde ich eine große Firma leiten, so täte ich nichts anderes. Sonst ist man ja nicht mehr wettbewerbsfähig. Wettbewerbsfähig, ein wundervolles Wort. Sonst wandern die Firmen ab, ins Ausland. Mindestlohn lässt Firmen ebenfalls auswandern. Deshalb gibt’s das hier auch alles nicht und niemand weiß, wie tief der Karren eigentlich im Dreck steckt oder ob er gar noch einen Wohnwagen zieht. Wachstum, das brauchen wir, ungehindertes tumorartiges Wachstum. Und dann schlägt die beste Prognose der Woche ein:
Wir Deutschen sterben noch immer aus. 2060 wird’s von uns nur noch zwischen 65 und 70 Millionen geben und jeder Dritte ist über 65. In ~50 Jahren. Denken wir uns doch einmal 50 Jahre zurück, ins glorreiche 1959. In dem Jahr hat sich beispielsweise Fidel Castro in Kuba niedergelassen. Kalter Krieg und so, die USA gegen die Sowjetunion. Jene Sowjetunion, welche wiederum seit ~20 Jahren nicht mehr existiert. Oder Heinrich Lübke wurde 1959 Bundespräsident, China annektierte Tibet und im Saarland wurde die D-Mark offizielles Zahlungsmittel. 1959 hat Deutschland 72.542.990 Einwohner. Und kein einziger dieser damaligen Bürger hat sich vermutlich angemaßt, zu wissen, wie die Bevölkerungsstruktur im Jahr 2009 aussieht. Jetzt mal ganz ernsthaft:
Solche Sachen könnte sich ein Drehbuchschreiber gar nicht ausdenken. Weiterhin ist nicht nur die Statistik an sich ein totaler Witz, sondern auch ihr Nutzen: Wem helfen diese Spekulationen? Das kostet doch Geld, das wir nicht haben, obwohl wir doch im nächsten Jahr 89.000.000.000 Euro neue Schulden machen wollen. Die entscheidendenn Frage an meine Bundesregierung: “Wisst ihr eigentlich, was ihr da im Moment tut?” und “Ganz sicher?”
Ja aber…
Genau! Ja aber! Seien Sie eingeladen, den gesamten Text zu lesen. Schauen Sie nur.
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