Islam, Schweiz, Deutschland, Religionsfreiheit.
Seit einigen Tagen schon geht das Thema durch die Presse: Die Schweiz hat den Neubau von Minaretten per Volksentscheid verboten. Von dieser Entscheidung kann man nun denken, was man möchte. Die Schweiz, seit jeher ein freiheitsliebender und kriegsverabscheuender Staat, hat sich damit nur keinen Gefallen getan. Es ist heikel, wenn ich schreibe, man müsse die Entscheidung der Schweizer respektieren, nicht zuletzt deshalb, weil Islamophobie in Europa auf sehr subtiler Ebene um sich greift. In den letzten Tagen gab es häufig Gelegenheiten, in denen ich mich mit anderen Menschen darüber unterhielt; auffällig war, dass es ein “Argument” immer wieder auf die Bühne geschafft hat: “Ja, ähm, in deren Ländern gibt’s ja auch keine christlichen Kirchen!”
Ist das so? Ich bin ehrlich gesagt nicht geneigt, eine Recherche darüber zu führen, wie viele christliche Kirchen es in muslimischen Ländern denn gibt. Der Grund dafür ist denkbar simpel, denn ich bestreite einfach, dass das überhaupt ein Argument ist. Wir sind doch Europa, wir sind der Fortschritt, die erste Welt, wir sind Toleranz und Nächstenliebe, wir sollten es doch besser wissen. Erwidert man auf das Pseudoargument gar soetwas wie “Weißt du eigentlich, wie viele Christen in diesen Ländern leben?”, so erhält man häufig ein patziges “Darum geht’s doch nicht, es geht ums Prinzip!” — die Prinzipfrage, soso.
Heute in Deutschland
Gehen wir zurück nach Deutschland: Etwa 4 Millionen Muslime leben in unserem schönen Land. Macht bei rund 80 Mio. Einwohnern eine Quote von 5%, womit sie schon in den Bundestag einziehen würden. Diese 5% müssen sich jedoch jedes Recht, das wir Deutsche uns so großzügig gewähren, noch einmal erstreiten. Ich erinnere gerne an den Fall vor einigen Wochen, als ein muslimischer Schüler sich einen Gebetsraum in der Schule vor Gericht erstreiten musste, obwohl dieser Raum in den Pausen keinerlei Nutzung erfuhr: “Lieber bleibt der Raum leer, bevor ein Moslem darin beten darf!”, schien der Tenor der Schule zu sein. Sie verlor den Prozess.
Nun sind wir ein christliches Land, was außer ein paar Neuheiden kaum jemand bestreiten wird, in dem Religionsfreiheit mühevoll errungen wurde. Religionsfreiheit. Was bedeutet das eigentlich? Wikipedia fasst wichtige Punkte bereits im ersten Absatz zusammen:
Die Religionsfreiheit ist eines der elementaren Grund- und Menschenrechte, die vor allem in der Freiheit eines Einzelnen bzw. einer Gruppe von Menschen besteht, seine Glaubensüberzeugung oder ein weltanschauliches Bekenntnis frei zu bilden oder dafür zu werben, einer Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft anzugehören und seine Religion oder Weltanschauung ungestört auszuüben sowie ihr gemäß zu handeln. Hierzu gehört auch die Freiheit, kultische Handlungen frei auszuüben (Kultusfreiheit).
“Gepriesen und erhaben — سبحانه وتعالى”
Sicherlich ist das Thema weit komplexer und nicht mit solch allgemeinen Phrasen abzuhandeln, doch ist eben genau das der Kern der Religionsfreiheit. Dazu gehören, oh Wunder, Moscheen und Minarette, aber auch Synagogen und buddhistische Klöster und Schreine. Wer käme schon in unserem Land auf die Idee, im Jahr 2009 den Bau religiöser Gebäude besonders der letzteren Religionen zu verhindern? Nein, dafür fände sich keine Mehrheit. Wenn es allerdings um die Religion Allahs (سبحانه وتعالى) geht, so kriecht der latente Ausländerfeind in den meisten Deutschen nach oben. “Moslems! Die mit dem Djihad, wo alle Frauen unterdrückt und Ungläubige sofort hingerichtet werden! Und außerdem sollen sie kleine Kinder zum Frühstück essen und mit allen Teufeln im Bunde stehen!”
Toleranz und Nächstenliebe nur innerhalbe der christlichen Gemeinde? Muss das sein? Viel Text über Religionsfreiheiten, Pseudoargumente und ein wenig Historie gibt’s nach einem Klick auf…
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