Staatsverschuldung in Deutschland: Ein Gedankengang.

Liest man in den Medien, dass dubiose Rating-Agenturen die Bonität der europäischen Länder herabstufen wollen und/oder werden, so kann das nicht überraschen. Jeglicher Wohlstand, der seit der Gründung der Bundesrepublik entstanden ist, beruht auf geliehenem Geld, beruht auf der Prämisse, dass eines Tages eine Generation kommen wird, die in der Lage ist, die gemachten Schulden zu bezahlen. Ich gehöre nicht zu dieser Generation, wohl aber zu jener, die den Schuldenberg mit Ehrfurcht bestaunt.

Bleiben wir bei Deutschland: Wir alle besitzen 2 Billionen Euro Schulden. Eine 2 mit 12 Nullen. Grob gerundet. Bei einer Tilgung von rund 10 Milliarden Euro pro Jahr – eine utopische Summe, denn pro Jahr fehlen im Haushalt zwischen 60 und 80 Milliarden Euro – bräuchte Deutschland rund 200 Jahre bis zur Schuldenfreiheit. Ohne Zinsen. Seien wir daher großzügig und setzen als “insgesamt zu bezahlende Summe” im Laufe der Zeit 3 Billionen Euro an. Und seien wir noch großzügiger und gehen davon aus, dass es Deutschland möglich sei, jedes Jahr tatsächlich 20 Milliarden Euro zur Schuldentilgung einzusetzen. Echtes, hartes Sparen, beginnend ab sofort. So wären wir bereits im Jahr 2161 entschuldet. Dies entspricht der zeitlichen Distanz zum Jahr 1861, dem Jahr, als Wilhelm I. im damaligen Preußen den Königsthron bestieg. Es folgten weitere Regenten, zwei Weltkriege (und viele andere Konflikte), mehrere Wirtschaftszusammenbrüche und eine deutsche Bundeskanzlerin.

Will sagen: Viel Glück.

Ungeklärte Fragen zur Revolution und zur menschlichen Motivation

Wir befinden uns – höchstwahrscheinlich – seit 2007 in der größten Wirtschafs- und Finanzkrise, die unsere Erde bis dato gekannt hat. Gerade im Moment löst sich im Zuge ihrer Europa Stück für Stück auf: Griechenland hat bereits eine neue Regierung, Italien denkt darüber nach, sich endgültig von Berlusconi zu trennen, den USA drohte erst just die Staatspleite und auch Deutschland besitzt eine Verschuldung jenseits von Gut und Böse. Wie es nicht anders zu erwarten ist, werden in einem solchen Klima Proteste wieder populär. Neue Ideen erobern die Welt, die Welt scheint in einer selten gekannten Aufbruchsstimmung, vom nahen Osten und Afrika bis hin zur Wall Street, dem Finanzzentrum der westlichen Hemisphäre. Es scheint so, als lehnten die Menschen die alten Strukturen, die zu diesem Kollaps führten, ab, als gäbe es tatsächlich Anstrengungen, ein neues “System” zu erschaffen. Stéphane Hessel schreibt in seinem Büchlein, jede Generation müsse ihre eigenen Gründe zur Empörung finden und Menschen in aller Welt scheinen diese bereits gefunden zu haben – wie weltweite Protestveranstaltungen beweisen. Man empört sich. Doch — worüber eigentlich? Gegen welche Ungerechtigkeiten richtet sich der Zorn des Wutbürgers? Und wie kann man’s besser machen?

Weil die Welt ohnehin Kopf steht – lasst uns kühn ein Gedankenexperiment wagen. Eines, das für Nicht-Philosophen gänzlich irrational erscheinen muss: Stellen wir uns eine Welt ohne Geld vor. Es handelt sich dabei, das ist unstrittig, nicht um ein tatsächlich erreichbares Ziel, das von nationaler Ebene aus erreicht werden könnte. Viel mehr wird der Gedankengang einige interessante (und hässliche) Vermutungen hervorbringen, die bei der Lösung brennender Zeitfragen vielleicht hilfreich sein können. Wir hören also nun alle einen lauten Knall – und es gibt kein Geld mehr. Keine Münzen, keine Scheine, keine Kreditkarten.

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Kapitalismus: “Making Money”

— aus: Pratchett, Terry (2007): Making Money. London: Transworld/Random House. 37-39.

‘Somehow I was expecting something… bigger,’ said Moist, looking through the steel bars into the little room that held the gold. The metal, in open bags and boxes, gleamed dully in the torchlight.

‘That is almost ten tons of gold,’ said Bent reproachfully. ‘It does not have to look big.’

‘But all the ingots and bags put together aren’t much bigger than the desks out there!’

‘It is very heavy, Mr Lipwig. It is the one true metal, pure and unsullied,’ said Bent. His left eye twitched. ‘It is the metal that never fell from grace.’

‘Really?’ said Moist, checking that the door out of there was still open.

‘And it is also the only basis of a sound financial system,’ Mr Bent went on, while the torchlight reflected off the bullion and gilded his face. ‘There is Value! There is Worth! Without the anchor of gold, all would be chaos.’

‘Why?’

‘Who would set the value of the dollar?’

‘Our dollars are not pure gold, though, are they?’

‘Aha, yes. Gold-coloured, Mr Lipwig,’ said Bent. ‘Less gold than seawater, gold-ish. We adulterated our own currency! Infamy! There can be no greater crime!’ His eye twitched again.

‘Er… murder?’ Moist ventured. Yep, the door was still open.

Mr Bent waved a hand. ‘Murder only happens once,’ he said, ‘but when the trust in gold breaks down, chaos rules. But it had to be done. The abominable coins are, admittedly, only gold-ish, but they are at least a solid token of the true gold in the reserves. In their wretchedness, they nevertheless acknowledge the primacy of gold and our independence from the machinations of government! [...]

‘I read somewhere that the coin represents a promise to hand over a dollar’s worth of gold,’ said Moist helpfully.

Mr Bent steepled his hands in front of his face and turned his eyes upwards, as though praying. ‘In theory, yes,’ he said after a few moments. ‘I would prefer to say that it is a tacit understanding that we will honour our promise to exchange it for a dollar’s worth of gold provided we are not, in point of fact, asked to.’

‘So… it’s not really a promise?’

‘It certainly is, sir, in financial circles. It is, you see, about trust.’

‘You mean, trust us, we’ve got a big expensive building?’

‘You jest, Mr Lipwig, but there may be a grain of truth there.’ Bent sighed. ‘I can see you have a lot to learn. [...]‘

Japan 2011.

Eine Übersicht zu Nachrichten und Ereignissen, ohne inhaltliche Vollständigkeit. Wird ergänzt.

Nachrichten und Ticker

Interessantes und Wissenswertes

Stand: 10. Mai 2011, 15:00 Uhr.

"Nostalgisch und Linksextrem" von Report Mainz — ein Kommentar.

Trolle solle man nicht füttern, so heißt es — doch von Zeit zu Zeit muss man sich mit ihnen auseinandersetzen. Vor wenigen Tagen lief in der ARD bei Report Mainz ein Bericht zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen mit dem ganz und gar unpopulistischen Titel “Nostalgisch und Linksextrem“; Inhalt: eine Auseinandersetzung mit den Kandidaten der Linken zur Wahl. Zuletzt (aber nicht ausschließlich) darauf hingewiesen wurde ich von einem meiner Lieblingsleser. Weil ich nun also wissen möchte, wie berechenbar ich wirklich bin, gibt’s jetzt meine persönliche Einschätzung des Berichtes hier, von Anfang bis Ende. Zunächst daher der Bericht:

Beginnend mit dem Vorwort muss man schon anmerken: Ist so nicht ganz richtig; zum Zeitpunkt der Produktion waren große Koalition und Rot-Rot-Grün die einzigen Optionen, mittlerweile hat es die “Ampel” zumindest als theoretisches Konstrukt in die Debatten geschafft. Die Rhetorik und Methodik von Herrn Pinkwart soll aber nicht Thema dieses Artikels sein, weshalb wir besser mit dem Inhalt fortfahren:

“Freiheit muss nicht sein”: die Rote Hilfe.

“[...] Die Linken gelten nicht nur als chaotisch und zerstritten, sie haben auch sehr fragwürdige Ansichten, z.B. zur DDR.” – erklärt uns die Moderatorin. Es folgt ein Clip, möglicherweise “Archivmaterial” (siehe Kommentare!), in dem ein offenbar geistig verwirrter Mann das Lied der Partei intoniert. Nun ist es so, dass seit 20 Jahren weder die DDR noch das Parteilied in der Öffentlichkeit präsent sind, der Vers es aber schafft, schon in den ersten Sekunden ein beklemmendes Gefühl hervorzurufen: Die DDR ist zurück, ein Schrecken für jeden Demokraten! Mit dieser Einstimmung kann das Thema dann endlich beginnen, die Frage, wer eigentlich nun in den Landtag einzieht.

Selten ließ sich ein TV-Bericht in allen Bereichen so leicht demontieren. Liebe ARD-Mitarbeiter, liebe Leser – tendenziöser Journalismus vom Feinsten. So viel, dass er fünf DIN-A4-Seiten füllt!
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#Piraten: Geht's schon nach Tortuga? oder: Wunschroute.

Piraten Teaser

Ich habe vorhin den üblen Fehler begangen, die Piratenpartei bei Twitter zu erwähnen. Nun, eigentlich war’s kein Fehler, aber es ist in der Tat so, dass sie die vermutlich repräsentierteste Partei im Web ist und demnach in kürzester Zeit Reaktionen zu erwarten waren. Nicht wie bei der CDU, die man von morgens bis abends in die Tonne prügeln kann, ohne dass sich auch nur ein Gesäß danach umdrehen würde. Wie dem auch sei, ich habe da ein paar Worte seit einer Weile in der Tasche und denke, es ist jetzt an der Zeit, diese zu unechtem Papier zu bringen. Zur Einleitung.

Schon vor einigen Jahren, als die Piraten gerade erst “im Erfindungsprozess” waren, hatte ich als Netizen selbstverständlich von dem Projekt gehört. Begonnen hatten sie, das ist unstrittig, tatsächlich mit nur einem Thema, dem Internet, wenn auch schon damals sehr facettenreich. Ich befürwortete die Ideen, aber (so war’s nunmal) mit den ersten Parteien in Deutschland konnten sie nicht konkurrieren. Die Piraten indes schien dies nicht zu stören, sie zogen ihr Ding einfach durch, eine ganze Weile lang. Um dann pünktlich vor der Bundestagswahl ’09 plötzlich auf unzähligen Stimmzetteln zu erscheinen.

Erstmal erstaunlich, oder nicht? Ja, doch, schon. Mit der Ernsthaftigkeit kamen allerdings auch die Probleme, die jede Partei kennt, begonnen bei Herrn Tauss, der sich ab übernächster Woche vor dem Karlsruher Landgericht wegen Kinderpornographie verantworten muss, bis zu Herrn König, der mit dauerdubiosen Aussagen nicht nur Parteigegner gegen sich aufbringt. Zu allen personellen Problemen gesellte sich, besonders zu Beginn, der Vorwurf der Themenlosigkeit und die merkwürdige “Wir-sind-weder-links-noch-rechts”-Debatte. So könnte man selbst heute noch sagen, dass die Piraten sich trotz aller Fortschritte noch immer in diesem erwähnten Erfindungsprozess befinden. Was tut man dann? Sehr richtig, man erfindet sich eben.

Hier: ein Programm zum Erfolg. Oder nur gute Ideen. Oder zumindest Gedanken. Ohne Gültigkeit, versteht sich. Mh.
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Der braune Sumpf, der sich FDP nennt.

Seitdem ich meine linken Neigungen auch öffentlich auslebe, poltert alle Jahre jemand gegen das SED-Vermögen, welches ich persönlich verstecke. Immerhin handelt es sich dabei um sogenanntes Kapital, welches besonders die Neoliberalisten nur zu gerne in ihren Händen hielten. Seit einigen Tagen kursiert nun ein Flugblatt an der Universität des Saarlandes, in welchem dem AStA Verschwendung und “Selbstbedienung” vorgeworfen wird. Prinzipiell ist eine solche Kritik berechtigt, wohl aber nicht im aktuellen Fall. Nocheinmal das Flugblatt.

Na? Wer hat’s erkannt? Ja, es handelt sich um die größte und erfolgreichste Anti-Nazi-Demo (“Blockieren”), die es bisher gab. Es gab ein fulminantes Presseecho, sehr viele Menschen und Organisationen haben sich daran beteiligt, damit der braune Mob seinen aktiven Geschichtsrevisionismus nicht auf die Straßen tragen konnte. Eine kleine Sternstunde, so sollte man meinen — doch die liberale Hochschulgruppe sieht das anders. Sie schreibt tatsächlich von einer “Reise” zu einer “privaten, politischen Demo”. Wie kann das sein? Die Linke.SDS hat recherchiert und ich republiziere.

heil_liberale

Es folgt ein Kommentar und Einzelheiten zur Historie der FDP sowie zahllose interessante und sicher nicht jedem bekannte Informationen zur sogenannten liberalen Politik. Mit anderen Worten: Sehr viel Text. Oder: Ein prächtiges Stück Agitation und Aufklärung. Weiterlesen lohnt. Nehmt euch die Zeit.
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Die faire Milch: Ein Lob. Eine Kritik. Ein offener Brief.

Vorwort: Ich wurde nicht bezahlt, um diese Worte zu schreiben, auch wenn’s sich im Nachhinein wie Werbung anhört. Sollte das jemand noch so empfinden, dann sei wenigstens gesagt, dass es sich wohl um eine gute Sache handelt. Zumindest wenn man Milch mag. Darum geht es nämlich, um das Produkt “die faire Milch“, seit neuestem im Handel. Jetzt: Der E-Brief.

Sehr geehrter Damen und Herren,
liebe Milchbauern und -bäuerinnen,
geschätzte MVS GmbH,

2009 wird, wie sicherlich fast jeder zustimmen wird, nicht als das Erfolgsjahr der deutschen Milchindustrie in die Geschichte eingehen. Die Milchwirtschaft hat in den letzten beiden Jahren der Presse eine Menge Schlagzeilen beschert, doch die wenigsten derer konnte man wohlwollend oder gar als gut bezeichnen. Die finanzielle Lage der deutschen Landwirte ist, sagen wir es frei heraus, oft miserabel und Versuche, höhere Preise zu etablieren, scheiterten in wenigen Monaten: Der Kunde war nicht bereit, mehr für Milchprodukte zu bezahlen. Dazu kritisierte man insbesondere die letzten Aktionen, bei denen Unmengen von Milch auf Feldern und Straßen vergossen wurden. Wäre es nicht zumindest geschickter gewesen, die Milch für einen symbolischen Euro pro Liter zu verteilen, nach dem Motto: “Seht her, wir verdienen so wenig, wir können euch unsere Milch auch gleich schenken!”

Um es beim Namen zu nennen: Die deutsche Milchwirtschaft hat ein Problem. Nun erfuhr ich schon vor einigen Wochen von der “fairen Milch” durch einen TV-Beitrag. Der Sprecher dort erläuterte in wenigen Worten die Vorteile der direkten Vermarktung der Milch für die Landwirte, sprach von den Orten, an denen man bald “faire Milch” kaufen könne und schloss mit den skeptischen Worten, dass man erst sehen müsse, ob der Kunde bereit sei, die etwas teurere Milch — 89 Cent/Liter — am Ende auch zu kaufen. Faire Milch also, die offensichtlichste Idee, den Mittelsmann bei der Vermarktung zu umgehen, endlich umgesetzt. “Großartig!”, dachte ich.

Es war aber zugleich einige Fragen auf. Zum Einen hieß es in dem Bericht, dass die faire Milch zunächst nur in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern zu kaufen sei. Im Prinzip alleine durch die Größe der Bundesländer verständlich, wurde mein Enthusiasmus dennoch gedämpft. Wie lange es wohl dauern würde, bis es dieses Konzept ins beschauliche Saarland schafft? Wie jeder weiß, liebt der Saarländer doch seine Milch!

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Bildungszombies — soon in a cinema near you.

creeeeedit pooooiiiints. *groan*

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Gerüchteweise basiert der Film auf wahren Begebenheiten. Gruselig.

Ich kann zaubern: Lasse Stirsmekken

Jener fiktive nordisch klingende Name, Lasse Stirsmekken, liefert bei einer aktuellen Suche genau keine Treffer. Nachdem ich diesen Mikroartikel geschrieben habe, werde ich bei einer relativ sinnlosen Suchanfrage auf Platz 1 liegen.

Magie.